Als Günter Grass damals vor genau vierzig Jahren in seiner berühmten Blechtrommel den zwergwüchsigen, glaszersingenden Oskar Mazerath zum deutschen Helden machte, ahnte er nicht, was er sich und der Literaturgeschichte damit antat, denn alle Romane, die er danach schrieb, und alle Figuren, die er danach erfand, wurden an der Blechtrommel und an Oskar Mazerath gemessen. Seitdem nennt man in der Wissenschaft den für einen Dichter unglückseligen Vorgang literarischer, generell kultureller Geringschätzung und also Wertminderung im Angesicht übergroßen ersten Ruhms "Mazerathion" bzw. nach neuerer Schreibweise "Mazeration".

Die Mazeration (zu deutsch etwa vorauswirkende Verzwergung) ist generell ein großes und interessantes literaturgeschichtliches Problem. Hat sich etwa Thomas Mann vom frühen Erfolg der Buddenbrooks je wirklich erholt? Und hat Herman Melville nicht zeitlebens und vergebens versucht, dem Ruhm seines Erstlings Typee hinterherzuschreiben? Und wird es - die bittere Frage können wir ihm nicht ersparen - dem großen Schriftsteller Hellmuth Karasek je gelingen, dem grandiosen Erfolg seines ersten Romans Das Magazin durch die mit Sicherheit nachfolgenden Romane gerecht zu werden? Oder wird auch ihn die furchtbare Mazeration ereilen, die Bloßstellung bis auf die Knochen? Niemand kann ihm ein solches Schicksal wünschen. Andererseits hat es bisher niemand dem Schlaumeier Marcel Proust gleichzutun vermocht, der, um der Mazeration zu entgehen, einfach nur einen einzigen, nicht enden wollenden, dazu knochentrockenen Roman fabriziert hat.

Warnungen gab es genug. Einer der größten deutschen Dichter, der Autor der Merseburger Zaubersprüche , hinter dem wir mit Fug den gewissermaßen Erfinder der Mazeration, also Günter Grass, vermuten dürfen, hat in der ihm eigenen verballhornenden Schreibweise ein mazerationsabweisendes Menetekel formuliert, das Goethe zu seinem eigenen Schaden ignoriert hat: "ben zi bena, bluot zi bluoda / lid zi geliden sose gelimida sin!"

Das versteht jetzt natürlich wieder keiner, aber wer sind wir, daß wir Günter Grass interpretieren dürften.