Tag und Nacht lauert Patty im Netz. Klickt ein Nutzer auf die Website, schmeichelt der kleine Cyber-Gnom: "Schön, daß Du mein Freund werden möchtest. Je öfter Du bei mir bist, desto mehr kann ich Dir bieten! Ich freu' mich schon auf Streicheleinheiten von Dir!" Große Gefühle im Internet. Mit dem Gnom Patty und dem Tamagotchi-Effekt versucht die Zigarettenmarke West, die Kids online zu ködern.

Zigarettenwerbung, die sich gezielt an Minderjährige richtet, ist in Deutschland nicht erlaubt. Doch im Internet nimmt man das nicht so genau wie in der realen Welt. Die West-Werber stellen vorab kurz die Alibifrage: "Bis Du schon 18 Jahre alt?" Ein Klick auf "ja", und Patty verspricht coole Sachen wie gemeinsam Motorrad fahren oder malen.

Die Online-Kids sind inzwischen für viele Branchen eine interessante Zielgruppe. Schon gibt es für Kinder und Jugendliche Hunderte von speziellen Werbe-Websites. Die Lila Kuh und Mickey Mouse, Barbie und der Kellogg's- Tiger, das o.b.-Mädchen mit seinem Teddybären und die Stars aus Bravo TV, alle sind sie schon im Netz und warten auf die jüngsten Surfer.

Vor allem amerikanische Firmen setzen derzeit auf Internet-Werbung für die Jüngsten. In den Staaten sind schließlich besonders viele Kinder online. Schon die vierjährigen Vorschüler sitzen am Computer und üben den Mausklick. Sobald sie dann lesen können, gehen sie selbständig auf die elektronische Reise. 1998 hatten schon mehr als sechs Millionen amerikanische Kinder unter 13 Jahren von zu Hause aus Zugang zum Netz, im nächsten Jahr sollen es bereits 15 Millionen sein.

Kein Wunder also, daß sich immer mehr Firmen um die jüngsten User bemühen. Und auch die Werbeagenturen stellen sich auf den neuen Trend ein. Saatchi & Saatchi etwa hat schon vor drei Jahren in New York eine eigene Abteilung für Kinderwerbung im Internet aufgebaut. Dutzende von Experten erforschen dort das Verhalten der Kids in der virtuellen Welt.

Das Firmenlogo ist mehr oder weniger immer dezent im Bild

Das ist durchaus keine einfache Zielgruppe. Langweilige Seiten klicken die Kleinen gnadenlos weg, simple Reklamesprüche sind tabu. Also bieten die Unternehmen auf ihren Websites Informationen über die Lieblingsstars der Jugendszene, die aktuellen Charts oder Konzerttermine. Oder sie locken mit Action-Spielen, Preisausschreiben oder Jugend-Clubs. Zum Standard gehören außerdem chat-rooms, in denen die Youngster hemmungslos miteinander plaudern können. Fast jede Firma hat zudem eine kleine Auswahl an bunten "Postkarten" im Programm, die die Kids per E-Mail an ihre Freunde verschicken können. Das Firmenlogo ist - mehr oder minder dezent - immer im Bild, Produktinformation eher nebensächlich.