In dieser Zeitung stand vor zwei Wochen eine Anzeige, in der ein Hauptkustos für die Hamburger Kunsthalle gesucht wurde, Abteilung Alte Meister. Ein Akt der Demokratie? Leider eher das Zeichen eines Notstandes. Denn in Hamburg sucht man seit circa einem Jahr einen Nachfolger für jemanden, der im Herbst letzten Jahres in den Ruhestand gegangen ist. In Berlin sucht man schon etwas länger. Und in Leipzig sucht man ab sofort, weil der Direktor des Museums der bildenden Künste nach Schleswig geht, wo der gleiche Posten seit 1998 vakant ist.

Gesucht werden in deutschen Museen Kunsthistoriker aller Geschlechter für die Abteilung Alte Kunst, die man in diesem Zusammenhang ruhig bis in 19. Jahrhundert verlängern darf. Ohne Ergebnis. Was ist da los? Ein Pillenknick in der kunsthistorischen Familie, zu der Tausende von Studenten und Hunderte von arbeitslosen Mitgliedern mit Studienabschluß gehören?

Jena ist die Stadt der Frühromantik und der nach Friedrich Schiller benannten Universität. In seiner akademischen Antrittsrede, die er 1789 zum Thema Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte? hielt, steht der Satz: "In seinen Göttern mahlt sich der Mensch." Selbstbildnis aus Pixeln, 1999. Die Kunsthistoriker dürfen ihren Studenten ruhig mal wieder etwas Perspektive zumuten.