Sie müssen zäh und stur sein, brauchen Leidenschaft und Selbstsicherheit, dürfen "nein" nicht als Antwort akzeptieren und bestehende Regeln nicht so ernst nehmen. Das klingt nach dem Anforderungsprofil von Bill Gates und Unternehmerkonsorten. Die sich so beschreiben, jagen aber nicht dem Profit nach, sondern wollen den Armen helfen: die ersten 22 Absolventen der Schule für Sozialunternehmer im Osten Londons.

Das Institut ist das erste seiner Art in Europa. Aus rund 100 Bewerbern wählt es die Studenten aus. Knapp ein Jahr lernen ehemalige Sozialarbeiter, Hochschullehrer und Manager privater Firmen dann, wie man eine eigene Sozialinitiative aufbaut. Zwei Monate hören sie Vorträge von Vorbildern, von Privatunternehmern, Medienführern, Politikern und Wissenschaftlern. Sie lernen das sozialunternehmerische Handwerk: Finanzierung, Marketing, Budgetmanagement, den Umgang mit relevanten Gesetzen und sozialen Institutionen. "Besorge Geld für deinen eigenen Arbeitsplatz" lautet die erste Regel. Von Sozialromantik bleibt wenig übrig.

Neun Monate des Jahres engagieren sich die Teilnehmer in der Praxis - die meisten in einem eigenen Projekt. Einer der Studenten des ersten Jahrgangs gründete beispielsweise Community Catalyst: Damit unterstützt er die Gründung von Selbsthilfegruppen in Liverpool und Leeds.

Die Schule hilft den Studenten, interessante Projekte zu finden. Während des Jahres treffen sie sich regelmäßig in Kleingruppen. Sie führen ein Tagebuch über ihre Fortschritte anhand eines persönlichen Lernplans; ein Mentor aus der Schule oder dem Praxisprojekt steht ihnen das ganze Jahr über zur Seite. Gebühren nimmt die Schule nicht; dank der Finanzierung durch die britische Lotterie bezahlt sie im Gegenteil den Lebensunterhalt vieler Studenten.

Die Studenten wollen anderen helfen und für sich selbst etwas Neues beginnen. Wie der 51jährige Bildungsmanager Tony Kerr, der nun ein Projekt im Südwesten des Landes führt, das örtliche Gemeinschaften wiederherstellen soll. Oder Alexandra Finke. Die junge Frau hat gerade an der angesehenen London School of Economics ihren Abschluß gemacht. Eigenständig versucht sie nun, das Konzept einer Lebensmittelkooperative aus dem Westen Londons auf den Osten der Stadt zu übertragen.

Die eigenwilligen Studenten helfen sich untereinander, streiten aber auch viel. In einem sind sie sich einig: Ihr Vorbild heißt Michael Young. Der charismatische Lord, 83 Jahre alt, war bis in die fünfziger Jahre einer der führenden Soziologen auf der Insel. Dann entschied er sich fürs Praktische und gründete ein Sozialprojekt nach dem anderen - darunter die heute weithin bekannte Offene Universität. Sobald sich ein Projekt selbst getragen hat, verließ Young es wieder und wandte sich Neuem zu. Nun gibt der Innovator seine Kenntnisse und Konzepte weiter - in seinem neuen Sozialunternehmen. "Wir sind hier, um unsere Passion zu finden", sagt ein Student. So wie der Lord.