Es ist unglaublich: Wenn ab und zu Menschen in unserem Land eine Antitrendstimme erheben, dann wird ihnen empört eins übergebraten. Die Feuilletons von Hamburg bis München pflegen solidarisch den gleichen arrogant-selbstgefälligen Lobe- und Schmähton. Wenn Peter Sloterdijk es wagt, am bundesrepublikanischen Kritikeridol zu zweifeln, dann will man ihn zum Idioten machen. Diesen Vorgang hat Sloterdijk am Beispiel Dorn beschrieben.

Daß die SZ in ihrem Feuilleton eine Gegenstimme gegen ihre eigenen undifferenzierten Darstellungen zuließ, finde ich tröstlich.

Es wird doch wohl noch erlaubt sein, die Ansicht zu vertreten, daß es gut ist, wenn eine Bäckerei von einem Bäckermeister betrieben wird, der weiß, wie die Backwaren hergestellt werden. Es können natürlich auch Bäckereileiter feinfühlige Backwarenermöglicher sein, die sich vornehm zurückhalten, um Freiräume für ihre sensiblen Konditoren zu schaffen. Sie erlangen dadurch allerdings nicht die Meisterqualifikation, und sie können im Ernstfall auch nicht backen.

Friedrich Beyer, Stuttgart

Ich würde nicht von Herrschaft der "Minderbegabten über die Begabten" sprechen, sondern eher sagen: Durch die innere Respektlosigkeit und Gleichgültigkeit gegenüber Kompetenz und Leistung herausragender einzelner, sofern diese nicht in der allgemeinen Amüsiermaschine vermarktbar sind, und durch Treulosigkeit - manche nennen es Werteverfall - wird die mögliche gesellschaftsprägende Kraft der Herausragenden erstickt und der Umgangston immer ironischer und zynischer. Auch beim Umgangston zählt nur noch der Unterhaltungswert. Ein sich aus Sorge und Verantwortungsbewußtsein ernsthaft ereifernder Experte wird da vom durchschnittlichen Konsumenten seiner Botschaft nur noch als langweiliger Trottel wahrgenommen.

Auch unter den Politikern gibt es immer mehr Repräsentanten der platten Respektlosigkeit und Treulosigkeit. Schröder hat schon deutlich mehr davon an sich als noch Kohl - und auch als Lafontaine; des letzteren Engagiertheit in manchen Fragen macht ihn weniger unterhaltungstauglich und sichert ihm niedrige Sympathiewerte.

Sloterdijks hochfahrende Anklage gegen die Diktatur des Mittelmaßes mag einseitig formuliert sein, vielleicht zu sehr aus der Perspektive seines persönlichen Ortes in der "Elite". Aber Assheuers Replik erscheint mir auch zu eindimensional. Man kann nicht die kapitalistische Marktwirtschaft als den primären Buhmann hinstellen, wenn sie doch ihre wachsende Vorherrschaft in der westlichen Welt dem allgemeinen Werteverfall verdankt; sie ist zugleich eine treibende Kraft des kopflosen gesellschaftlichen Wandels und bloßer Seismograph gewandelter oder abhanden gekommener Wertmaßstäbe.