Vertrauen ist der Anfang von allem, werben hiesige Banker. Gemäß dieser Geschäftsphilosophie muß die HypoVereinsbank in München, immerhin das zweitgrößte deutsche Geldinstitut, ziemlich am Ende sein. In den vergangenen Monaten haben die Verantwortlichen vor und hinter den Kulissen in atemberaubendem Tempo Kredit bei Kunden, Aktionären und Mitarbeitern verspielt.

Rund ein halbes Jahr nach der süddeutschen Superfusion stehen Management, Aufsichtsrat und die Großaktionäre, allen voran der Freistaat Bayern und der Versicherungsriese Allianz, vor einem Scherbenhaufen. Einer beispiellosen Schlammschlacht in der Öffentlichkeit, bedrückenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sowie Betrugsvorwürfen aufgebrachter Kunden folgte am vergangenen Wochenende ein neuer Höhepunkt: Der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Klaus Götte, warf jetzt endgültig das Handtuch.

Götte, der als Vertrauensmann der Allianz galt, war schon seit Monaten amtsmüde. Mitte vergangener Woche reichte es dem obersten Kontrolleur endgültig, sein Verhältnis zu Bankchef Albrecht Schmidt war schwer belastet. Aufsichtsratschef Götte mochte den kleinen Napoleon, so Schmidts Spitzname in der bayerischen Hauptstadt, nicht mehr ertragen (siehe auch ZEIT Nr. 48/98). Davon war in der offiziellen Rücktrittserklärung natürlich nicht die Rede. Einen Passus mit massiven Vorwürfen gegen Schmidt strich Götte in letzter Minute. Gentleman Götte, ein gebürtiger Niedersachse, blieb sich treu und verabschiedete sich nüchtern mit einer 14zeiligen Pressemitteilung.

Göttes Zurückhaltung ändert nichts daran: Der Bankenskandal im Süden der Republik hat das gesamte deutsche Geldgewerbe aufgeschreckt. Heinz Kaiser, wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im bayerischen Landtag, bringt die Sache auf den Punkt: "Die Traumhochzeit beider Banken ist zum Rosenkrieg verkommen." Das Debakel am Finanzplatz München trifft zwei erfolgverwöhnte Macher empfindlich: Bayerns Ministerpräsidenten Edmund Stoiber und Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle. Beide hatten die Fusion ebenso lautlos wie zielstrebig eingefädelt - die Börse honorierte den Coup mit euphorischen Kurssprüngen.

Manche halten Schmidt für rücksichtslos und allzu ehrgeizig

Der Aktienkurs ist mittlerweile kräftig abgesackt, statt dessen kommen die Staatsregierung und der Versicherungsgigant ins Gerede. Die Allianz war Großaktionär der Hypo-Bank (22,5 Prozent); ein Insider aus den Reihen der alten Vereinsbank behauptet hinter vorgehaltener Hand, der ehemalige Aufsichtsratschef der Hypo, Götte, und damit auch die Allianz hätten schon vor der Fusion von der beträchtlichen Schieflage wissen müssen.

Andere Kenner der Szene schwören dagegen Stein und Bein, der hinterher so entrüstete Vereinsbank-Chef Schmidt sei schon vor der Fusion über die Milliardenrisiken informiert gewesen: Daß er Ende Oktober, also gerade einmal zwei Monate nach der Verschmelzung, die staunende Öffentlichkeit über das Immobiliendesaster der früheren Hypo-Bank in Höhe von 3,5 Milliarden Mark informiert habe, sei der Schachzug des rücksichtslosen Ehrgeizlings Schmidt. Auf diese Weise wolle der 61jährige Bankchef, der seit 1967 in Diensten der Vereinsbank steht, seinen Studienfreund, den langjährigen Hypo-Bank-Chef Eberhard Martini, sowie dessen ehemalige Mannschaft zu Sündenböcken stempeln.