Als Vermieter ist der 57jährige Versicherungsangestellte Gerhard S. zweifellos geschäftstüchtig. Für sein kleines Häuschen in wenig attraktiver Gegend forderte er nicht nur eine Nettokaltmiete von 2500 Mark, er fand auch einen Mieter, der so viel zu zahlen bereit war. Jens B. akzeptierte den Preis, denn er vermietete das Haus mit Aufschlag an eine freischaffende Vietnamesin weiter.

Dagegen hatte Gerhard S. nichts einzuwenden, wie der bieder gekleidete Familienvater als Zeuge im Hamburger Amtsgericht aussagt. Als er den Vertrag abschloß, war für ihn nur wichtig, daß die Kasse stimmte. Leider überschätzte er damals die Zahlungsbereitschaft im Milieu. Die Vietnamesin und eine Tschechin boten in seinem Haus erfolgreich ihre Dienste an, doch Herr S. bekam kein Geld. Nun muß sich Mieter Jens B. vor dem Amtsgericht verantworten - freilich nicht für das Ausbleiben der vereinbarten Zahlungen, sondern wegen Sachbeschädigung und Nötigung: Er soll, statt Miete zu bezahlen, seinerseits für seinen Auszug Geld verlangt und der Zahlungsbereitschaft seines Vermieters mit ungesetzlichen Mitteln nachgeholfen haben. Er selbst habe längst zahlen wollen, berichtet der Zeuge, weil er von seinem Mieter ohnehin kein Geld bekommen habe und eine Kündigung in einem langwierigen Verfahren hätte durchsetzen müssen, aber seine Frau habe gezetert: "Du spinnst wohl! Wenn du zahlst, laß ich mich scheiden."

Im Februar 96 stimmte ein nächtliches Erlebnis die Gattin um. "Mitten in der Nacht wache ich auf", berichtet der Zeuge. "Da schlägt eine sieben Meter hohe Stichflamme vor dem Fenster hoch." Jemand hatte einen Kanister Benzin über S.' Hecke geschüttet und das Ganze in Brand gesetzt. Er habe gleich vermutet, daß sein Mieter B. hinter dem Anschlag stecke, aber beweisen könne er das nicht, berichtet der Hausbesitzer. Nach dem Anschlag habe er seinem Mieter die geforderten 15 000 Mark in bar übergeben, worauf dieser das Haus sofort geräumt habe.

Den fehlenden Beweis für die Schuld des Mieters B. möchte dessen ehemaliger Angestellter Volker St. liefern. "Jens wollte damals von mir wissen, ob ich jemand kenne, der Druck ausübt. Jemand fürs Grobe. Den habe ich ihm vermittelt", berichtet der breitschultrige Zeuge. Triumphierend soll Jens B. ihm nach dem Anschlag einen Anruf des verängstigten Vermieters auf dem Anrufbeantworter vorgespielt haben. Er sage nur aus, erklärt der Zeuge grinsend, weil ihm der Angeklagte 12 000 Mark schulde. "Ich mein', wenn der nicht zahlt, brauch' ich nicht schweigen!"

Volker St. teilt sein Wissen nach eigenen Worten "liebend gerne" mit dem Gericht. Er beschuldigte B. auch des Waffenbesitzes und des Drogenhandels im großen Stil - haltlose Vorwürfe, wie die Ermittlungen zeigten. Allein die Angaben zu der brennenden Hecke führten zu einer Anklage.

Wegen Betruges, Drogenhandels und Entführung ist der Zeuge St. mehrfach vorbestraft und sitzt im Moment in Haft. Mit ihm verglichen, ist der schlanke, elegante Jens B. fast ein unbeschriebenes Blatt. Er wurde bislang nur wegen Alkohol am Steuer und wegen eines Konkursvergehens bestraft.

Für seine Unschuld sprechen Anschläge auf den Hausbesitzer und seine Familie, die stattfanden, lange ehe B. seine Geldforderung gestellt hatte. Ein Mülleimer wurde in Brand gesetzt; im Schlafzimmer von S.' Schwiegereltern schlug sogar der Pfeil einer Armbrust ein. Es habe "keinen Sinn, Druck auszuüben", meint nun durchaus einleuchtend der Angeklagte, zu einem Zeitpunkt, da er doch gar nichts von seinem Vermieter verlangt habe.