Ein Ritual, das alte Hasen längst kennen: Wenn die Stahlkonjunktur schlecht wird, klagen die Konzerne in Amerika über Dumping seitens der Konkurrenz und fordern den Schutz ihrer Regierung ein. Wenn das US-Handelsdefizit wächst, verlangen Politiker in Washington Sanktionen gegen die Europäische Union. Und dann ist schnell wieder von einem drohenden Handelskrieg zwischen den Vereinigten Staaten und ihrem wichtigsten Handelspartner die Rede.

Man kann dies als das übliche Getöse der Handelspolitik abtun. Schließlich ist der angeblich drohende Krieg in den vergangenen Jahren immer wieder abgewendet worden. Klappern gehört eben zum Geschäft. Trotzdem tut man in Brüssel, Bonn und Paris gut daran, die Stimmung in der amerikanischen Wirtschaft und unter Kongreßabgeordneten sehr ernst zu nehmen. Das Defizit der Vereinigten Staaten ist derzeit der wichtigste Konjunkturmotor der Weltwirtschaft, die Verbraucher in den USA sorgen mit ihrem Konsumoptimismus dafür, daß Europa nicht vollends in die Rezession zurücksinkt. Es liegt daher im elementaren Eigeninteresse der Europäer, Panikreaktionen in der amerikanischen Öffentlichkeit zu vermeiden. Und der nächstliegende Weg, dies zu tun, ist, die eigenen Verstöße gegen die Prinzipien des freien Welthandels schnell zu beenden. Dazu gehört erstens die unselige Bananenmarktordnung, dazu gehört aber auch das Verbot für amerikanisches Hormonfleisch. Nach den Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) dürfen Staaten den Import von Waren dann untersagen, wenn aus diesen Gesundheitsgefahren drohen; für diese Behauptung müssen sie einen Beleg haben. Diesen Beleg gibt es jedoch nicht. Gegen die in den Rinderfarmen der USA üblichen Methoden der Fleischproduktion läßt sich lediglich einwenden, daß sie vielen Verbrauchern unsympathisch sind und daß diese vor ihren Ergebnissen Angst haben, weil sie sie nicht kennen. Für ein Importverbot reicht das nicht. Die EU kann nun warten, bis die WTO sie zur Aufhebung des Verbots zwingt. Oder aber sie kann das Unabwendbare freiwillig tun, dies den Verbrauchern vermitteln und damit die Situation nachhaltig entkrampfen - im eigenen Interesse.