THE DISTANCE BETWEEN US

Unter denen, die Platten im Radio auflegen oder sie in der Presse besprechen, muß es einige geben, die sich nicht die Zeit nehmen, sie zu hören. Wie sonst wäre es zu erklären, daß etliche Plattenfirmen im Werbematerial "Anspieltips" geben?

Höre nicht die CD! Gehe direkt zu Titel Nummer vier! Hier erwartet dich der Höhepunkt, sofort! (Was wir Pornofilmfreunde den come shot nennen.)

The Distance Between Us kommt ohne Anspieltip; das ist gut so. Dem 58minütigen Werk fehlt es beileibe nicht an Höhepunkten, aber sie sind der unterschiedlichsten Art. Außerdem wird schon beim ersten Hören deutlich: Die neun Stücke folgen nicht beziehungslos aufeinander; sie fügen sich zu Strophen eines lyrischen Gebildes. Sofort erkennbar die Struktur: A-B-C-B-A.

William Hooker ist in den ersten 17 Sekunden allein zu hören, mit einem zarten Schlagzeugsolo, nur auf der Snare gespielt. Dann schweigt die Trommel, und eine warme Männerstimme singt zwei Minuten lang sinnliche, sinnfreie Silben, nackten scat. Dann Stimme und Schlagzeug gemeinsam, gefolgt von einem romantischen Duo aus Klavier und Schlagzeug - immer noch Teil A, Kammermusik.

Nun Teil B. Wieder beginnt das Schlagzeug, klopft einen behäbigen Rockrhythmus vor, lärmend fallen elektrische Gitarren ein, Jimi Hendrix grüßt von fern, die ersten Worte werden gesungen: Wish / I could change / the way / that you feel.

Die Melodie klingt verdammt vertraut; zitiert sie Patti Smiths Because The Night? Das CD-Cover verweist auf eine Komposition der amerikanischen Avantgarde-Rockgruppe Sonic Youth: Because (Of You).