Aus Dienst wird Ernst

Krieg, Verwundung, Tod. Eine neue Generation von Soldaten bereitet sich auf den Einsatz in einer gewandelten Bundeswehr vor. Ein Truppenbesuch

Deutsche Tornados fliegen Angriffe auf Serbien. "Hmm, ja, ja." Deutsche Truppen stehen in Mazedonien und warten darauf, in das verwüstete Kosovo marschieren zu dürfen.

"So ist das wohl."

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"Aber nein! Falsch! Völlig falsch!"

Der General sinkt in den Sessel, schabt mit seinem sonnenverbrannten Nacken am Polster entlang und legt los: Als ob der Krieg um das Kosovo aus der Bundeswehr eine andere Armee mache - auf solche Gedanken könnten nur Leute kommen, die nichts von der Sache verstünden. "Was jetzt passiert, ist für uns doch nichts Neues." General Bernd Müller muß sich "heitere Nachsicht" abverlangen, um die Debatten "draußen in der deutschen Öffentlichkeit" nachvollziehen zu können. Er sagt: "Ein Angriff auf einen souveränen Staat ist von Zeit zu Zeit notwendig. Ich bin den Amerikanern ja auch dankbar dafür, daß sie damals Hitler angegriffen haben."

Müllers Luftlandebrigade in Oldenburg gehört zu den Krisenreaktionskräften, einer Elite für brenzlige Situationen. Ausgeschlafene Burschen mit leichtem Gepäck, sagt der General, und das rechte Augenlid fällt müde herab. Dann erzählt er von früher, aus Bosnien, wo er zur internationalen Friedenstruppe zählte und die deutsch-französische Brigade führte. Aus Friedenslist habe er Slibowitz getrunken mit serbischen Generalen, "die in Deutschland 21mal ,lebenslänglich' kriegen würden". Was ja nur bedeutet: "Die Welt hat die Bundeswehr schon lange erreicht." Der Satz macht ihm Spaß, das hängende Augenlid schnellt nach oben. "Wo immer wir Gräben ausheben", ob in Bosnien, in Mazedonien, im Kosovo oder sonstwo, "wir tun es mit großem Gleichmut." Er lacht. "Die Zäsur für die Bundeswehr, das war 1990. Deutschland wurde souverän, und wir bekamen einen neuen Auftrag. Wenn sich das Selbstverständnis eines deutschen Soldaten erst jetzt ändert, dann hat er vorher nicht nachgedacht."

Es ist Krieg, und keiner findet das sonderbar. Wer in diesen Tagen in die Kasernen geht, in Erfurt oder Müllheim, in Hammelburg oder Tetovo, trifft auf atemberaubende Geschäftsmäßigkeit. Warum sie auf den Balkan gehen? Enrico Tauschke, Panzerbrigade 39, Erfurt: "Wenn es heißt, Oberfeldwebel Tauschke geht da runter, dann geh' ich da runter. Dafür bin ich doch Soldat." Tauschke ist 26, vor zwei Monaten hat er Nachwuchs bekommen. Deshalb weiß er: "Wenn's hart auf hart kommt, stehen die zu Hause ohne Vater da."

Jahrzehntelang gab es für die Bundeswehr keinen "Krieg", bloß einen "Ernstfall", wahlweise einen "Verteidigungsfall". Und der war fern. Die atomare Abschreckung hinderte die Militärs am Krieg. Wer als erster schießt, lautete die Binse, stirbt als zweiter. Der unmögliche Schlagabtausch ließ die Rekruten Jahr um Jahr unwilliger und träger werden. Eine gezügelte Armee in einer zivilen Gesellschaft war die Bundeswehr den Bürgern. Die Alliierten von der Nato erkannten unter so manchem deutschen Stahlhelm ein Weichei. Als während des Golfkrieges 1991 erstmals Luftwaffensoldaten in der fernen Türkei stationiert wurden, fanden die Turkish Daily News es lachhaft, "daß wir uns von so was verteidigen lassen sollen".

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