Muzak, Fahrstuhlmusik - paßt das nicht derzeit gerade wieder gut in die politische Landschaft? Wo selbst im Widersprüchlichen noch Glattes und Schönes und Glanzvolles gefunden wird, um Politik den Charakter des Edlen und Modischen zu verleihen?

Elevator Muzak wird aus gesampelten Fragmenten im Computer zusammengesetzt, nahtlos zu einer einheitlichen Oberfläche versiegelt. Doch der 42jährige österreichische Multimediakünstler Curd Duca, der unzählige Projekte für Theater, Funk und Fernsehen realisierte, durchbrach schon mit der CD-Reihe Easy Listening 1-5 die Folgerichtigkeit von begrifflicher und musikalischer Vorstellung.

Er hat das Verhältnis von Oberfläche zu dem pophistorischen Darunter genau umgedreht: Das Schöne, Glatte schließt bei ihm nicht nach oben hin ab, sondern liegt eine Schicht tiefer, wie edle Tapeten, von deren Papierfläche jedoch das Brokatmuster abbröckelt.

Was man hört, ist die zerstörte Ornamentik von "alten" Musiken, die sich in den Wiederholungsschleifen der stets ein bis zwei Minuten kurzen Miniaturen selbst überschlagen und ihre Samplequellen selten preisgeben.

Melodiechen nach Art Ray Conniffs, die leise mit den Zähnen knirschen, in federnden Schritten daherkommen - drei vor und zwei zurück, schon kommt das nächste Stück.

Das fröhliche Pfeifen scheint von spröden Lippen geformt, verstörend entgleiten angenehme Orgelmotive in unregelmäßige Hall-Pattern. "Schubiduha-ha-a-a-a" versucht sich eine einschmeichelnde Frauenstimme und kommt ins Stottern, ehe die Message, "touch", ausgesprochen ist.

Zwischendrin zerstreut der Computer mittels granularer Synthese Melodiöses in grobe und feine Geräuschkörnchen, verquirlt Eiweiß- und Eigelbpartikel im Scrambolation-Mix. Aufbegehrend schnarrt etwas wie Drum 'n' Bass, elektronisch Abstraktes und die kürzesten je gehörten Technovarianten wechseln mit abgehackten Pianoläufen.