Auf der Landkarte der Medienszene ist Berlin Provinz ... Ganz Berlin? Nein! Ein von unbeugsamen Jungkreativen bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Desinteresse Widerstand zu leisten: Im creative village entwickeln "frische Köpfe" mit "schöpferischen Potentialen" "innovative Projekte". Man plant "zukunftsorientiert", denkt "global" und arbeitet "vernetzt". Das Ziel der Mission: die Förderung des Medienstandorts Berlin.

"Wir wollen begabte Leute aus ganz Deutschland hier zusammenbringen", sagt Florian Dengler, Creative Director bei der Multimedia-Agentur Pixelpark. Deshalb gründeten Berliner Kommunikationsunternehmen 1997 die Initiative creative village. Neben Pixelpark sind die Werbeagentur Scholz & Friends Berlin, die taz und der Fernsehsender n-tv beteiligt. Vereint will man "junge Talente" an die Spree locken.

Je sechs Wochen sind die Teilnehmer bei den Firmen des creative village als Praktikanten beschäftigt. Sie entwickeln Konzepte für den Web-Auftritt eines Kunden oder organisieren PR-Reisen, schreiben Pressetexte und entwerfen Logos. Außerdem gestaltet jeder Lehrgang eine eigene Homepage und produziert eine vierseitige Beilage für die taz. Daneben können Kurse der Henri-Nannen-Schule Berlin besucht werden. "Das halbe Jahr lang ist man völlig gefordert", sagt die 23jährige Katinka Patscher, Absolventin des dritten Berliner Semesters. "Alle sechs Wochen lernt man eine neue Firma kennen. Das ist Überlebenstraining - anstrengend, aber auch sehr aufregend."

Vergangene Woche startete das vierte Berliner Semester. Zwölf Teilnehmer blieben übrig von 400 Bewerbern aus ganz Deutschland, die sich mit Lebenslauf und Arbeitsproben ins rechte Licht rücken wollten. Vor allem Geisteswissenschaftler und Studenten kreativer Fachrichtungen wie Grafikdesign oder Fotografie kommen beim creative village an. Aber auch Juristen, Wirtschaftswissenschaftler oder Architekten haben Chancen. "Uns interessiert in erster Linie nicht das Studienfach eines Bewerbers", sagt Michaela Halbritter von Pixelpark. "Wichtiger ist, daß bereits aus der Bewerbung ein gewisses Maß an Kreativität spricht."

Verlangt werden außerdem ein abgeschlossenes Grundstudium und erste Berufserfahrungen durch Praktika. Gleichzeitig sollten Interessenten aber "noch offen" sein, sagt Michaela Halbritter. "Wir suchen junge Leute, die sich für das ganze Spektrum von creative village interessieren."

Eine Auflage, die auch Chancen birgt - manch ein Teilnehmer erhält so neue Perspektiven. "Jahrelang wußte ich: Ich werde Journalist", so Matthias Stausberg, Absolvent des ersten Berliner Semesters. "Dann kam ich zu Pixelpark und lernte die Arbeit im Web kennen." Heute ist Stausberg Online-Texter.

Ungeregelte Arbeitszeiten und schlechte Bezahlung