Wie weiter?

Rußland und die Uno sind wieder im Spiel - aber letztlich kommt es auf Milocevic an

Die Nato bemüht sich um eine breit angelegte politische Lösung des Kosovo-Konflikts: endlich. Das zutiefst verunsicherte Rußland soll in die Verhandlungen eingebunden werden: überfällig. Die vom Bündnis rüde beiseite geschobenen Vereinten Nationen werden nicht länger mißachtet: höchste Zeit. Deutschlands rot-grüne Regierung agiert bei alledem in der ersten Reihe, präsentiert einen Friedensplan für das Kosovo und den Entwurf eines Stabilitätspaktes für Südosteuropa, holt den UN-Generalsekretär Kofi Annan zum Sondergipfel der EU nach Brüssel, schickt den Staatssekretär im Außenamt, Wolfgang Ischinger, nach Moskau: gut so.

Die Frage aber bleibt: Wird es, kann es funktionieren? Und wie hoch darf der Preis für das Ende der Gewalt sein?

Das klingt vernünftig - und läßt viele Fragen offen.

Abzug sämtlicher serbischer Truppen: Ohne diese Garantie wird kein Albaner ins Kosovo zurückkehren. Doch wer garantiert dann für die Sicherheit der einst 200 000 Serben, wer verhindert einen neuen Massenexodus?

Stationierung einer internationalen Friedenstruppe: Die Alliierten wollen allenfalls eine Lösung nach dem bosnischen SFor-Modell akzeptieren, mit Mandat vom UN-Sicherheitsrat, vielleicht auch einem Namensschild der OSZE und gerne unter Beteiligung russischer Soldaten - aber die Nato soll die Kontrolle haben. Moskau ist inzwischen immerhin bereit, eine internationale Truppe im Kosovo zu akzeptieren - aber mit sowenig Nato wie möglich und am liebsten ganz ohne Waffen. Wie kann eine Lösung aussehen, die das Gesicht der Regierenden in Moskau wahrt und der Glaubwürdigkeit und Effektivität der Allianz nicht den Todesstoß gibt?

Künftiger Status des Kosovo: Autonomie innerhalb Serbiens ist den Albanern nicht mehr zuzumuten; doch das Wort "Unabhängigkeit" ist für die Nato noch immer tabu. Warum sollte die UÇK-Guerilla sich vor dieser Perspektive auf eine Entwaffnung einlassen?

Verhandlungen mit Belgrad: Gesetzt, Rußland entscheidet sich zum Schulterschluß mit dem Westen - warum sollte Milocevic auf Moskau hören, wenn er sich nicht von den Marschflugkörpern der Nato hat beeindrucken lassen? Warum sollte er einlenken, wenn westliche Regierungschefs ihm einstimmig mit strafrechtlicher Verfolgung drohen? Welche Gegenleistung könnte er verlangen für die Preisgabe eines Territoriums, das er militärisch so gut wie gewonnen hat? Teilungspläne für das Kosovo werden im Bündnis neuerdings so lautstark dementiert, daß Belgrad schon fast Anlaß hat, sich Hoffnungen zu machen.