Den Mauren nach
Wandern und Bergsteigen in den Picos de Europa, dem ältesten NationalparkSpaniens
Wir werden schlechtes Wetter haben." Die quittengelbe Regenjacke von Bergführer Erik Perez ist der einzige Farbklecks im unendlichen Wolkengrau. Langsam kriecht der Nebel durch das Tal des Covadonga-Bachs, umhüllt die backsteinfarbene Basilika. Die Luft ist feucht und lau, hin und wieder nieselt es. Düstere Aussichten für die viertägige Wanderung. Aber Nebel und Regen sind typisch für das kleine Hochgebirge im grünen Norden Spaniens.
Keine dreißig Kilometer von der Atlantikküste entfernt schieben sich die Kalkgipfel im Dreieck von Asturien, Kantabrien und Kastilien-León bis in Höhen von über 2600 Metern. Auf einer Fläche etwa so groß wie Berlin formen 50 Zweitausender eine grandiose Bergwelt: der Cornøon mit seinen eiszeitlichen Seen im Westen, die schroffen, wilden Uriellos mit den höchsten Gipfeln im Zentrum und das sanfte, liebliche Massiv von Andara im Osten. Darin eingebettet liegen einsame Dörfer wie Tielve, Sotres oder Tresviso, in denen heute noch knapp 2000 Bergbauern wie eh und je von Schafzucht und Käseverkauf leben. Der Name Picos de Europa, Spitzen Europas, stammt angeblich von den Seefahrern. Waren die schroffen Gipfel doch das erste, was sie bei ihrer Heimkehr aus der stürmischen See vom Festland auftauchen sahen.
In der Schlacht von Covadonga schlug 718 der Westgote Pelayo die heranrückenden Mauren zurück in die kastilische Hochebene. Covadonga ist die Wiege der christlichen Rückeroberung Spaniens und heute ein bedeutender Wallfahrtsort. Wer von hier aus das Gebirge durchquert, folgt dem beschwerlichen Weg der fliehenden Mauren.
Bereits 1918 weihte König Alfons XIII. in Covadonga den ersten Nationalpark des Landes ein. Nachdem das Schutzgebiet 1995 erweitert wurde, ist der Parque Nacional de los Picos de Europa nicht nur der älteste, sondern auch der größte Nationalpark des Landes.
Über den Gipfeln schweben Gänsegeier und Alpendohle
Die bizarre Bergwelt beheimatet heute über dreißig Orchideenarten, Narzissen färben die Bergwiesen im Frühsommer blaßgelb. Über den Gipfeln schweben Gänsegeier, Alpendohle und Felsenschwalbe, hin und wieder auch ein Steinadler. Gemsen und Wildschweine, Dachse und Wölfe haben hier einen Lebensraum. Und in den ausgedehnten Wäldern von Sajambre und Valdeón leben noch ein paar iberische Braunbären. "Doch die", sagt Marøa José Suárez von der Fundación Oso, die sich in Asturien um den Schutz der vom Aussterben bedrohten Tiere kümmert, "haben kaum eine Überlebenschance." Zu klein sei die Population bereits.
Auch den Wölfen geht es immer öfter an den Kragen. Als Feind der Hirten habe man sie hier so gründlich dezimiert, sagt Agustøn Santori, Leiter des Nationalparkzentrums in Cangas de Onøs, daß nur noch wenige von ihnen durch das Gebirge streiften. Aber das empfindliche Ökosystem der Picos sei "durch ganz andere Dinge bedroht".
- Datum 22.04.1999 - 14:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 17/1999
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