Kino Postmoderner Ritter

Ein neuer Film von und mit Clint Eastwood: "Ein wahres Verbrechen"

Wieder einmal erzählt Eastwood von einem "Mann, der niemals aufgibt", von einem Alltagsrebellen, der seinen Eigenarten frönt, ohne Rücksicht auf Karriere oder Anerkennung. Er raucht gerne, auch dort, wo es verboten ist, er säuft, und er schläft mit Vorliebe mit den Frauen seiner Kollegen, das heißt, er läßt ungern ein Fettnäpfchen aus, wenn es ihm Spaß macht, darin herumzuwaten.

Ein durchtriebener Reporter ist er, der ergraute Steve Everett: beruflich ein charismatischer Profi, privat ein unverbesserlicher Streithammel. Ein Ekelpaket par excellence, Egomane und Chaot zugleich. Sein Riecher für erfolgsträchtige Schlagzeilen ist so grandios wie sein Gespür bei privaten Problemen unterentwickelt.

Geschichten erzählen ohne schnelle Effekte

Ob als Westerner (in The Outlaw Josey Wales oder Pale Rider) oder als City Cop (in Dirty Harry oder Tightrope), ob als alternder Countrysänger (in Honkytonk Man) oder als security man des US-Präsidenten (in The Line of Fire), ob als gerissener Einbrecher (wie zuletzt in Absolute Power) oder nun als Reporter: Eastwoods Helden hatten und haben stets nur eine Devise, und der bleiben sie treu bis zum Ende: "Man muß kämpfen, wenn man es für richtig hält, selbst wenn man Prügel dafür kriegt. Sonst fühlt man sich beschissen!"

Eastwoods Everett ist ein postmoderner Ritter von der traurigen Gestalt, ein couragierter Tagträumer, der, umgeben von der melancholischen Aura des aufrührerischen Verlierers, gegen alles anrennt, was seinem innersten Wesen im Wege steht. Im Grunde will er bloß seinen Job machen und ansonsten seine Ruhe haben. Aber dann gerät er an Menschen, die ihn reizen und herausfordern, denen versucht er zu beweisen, daß es noch Sinn macht, was er tut, wenn auch zu oft nur aus Routine.

Eastwood gibt seinem charmanten Widerling eine extrem ambivalente Kontur, darin vergleichbar nur mit den allergrößten Alltagsrebellen aus Hollywood - mit Clark Gable in den Dreißigern, mit Spencer Tracy in den Vierzigern, mit James Stewart in den Fünfzigern. Man haßt es, ihn zu mögen, ohne es zu mögen, ihn zu hassen.

Wie schon bei seinen Western oder Polizeifilmen nutzt Eastwood das Genre des Thrillers als äußere Folie, die alles zusammenhält. So kann es im einzelnen brüchig oder sogar entgrenzend zugehen. Es ist das alte Spiel mit den vertrauten Formen, die noch das Entlegene und Fremde wohlbekannt wirken lassen.

 
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