Nationalismus Europas verschobene VölkerSeite 2/2

Umgekehrt mußten Menschen aus den der Germanisierung unterworfenen Gebieten weichen: Russen, Ukrainer, Weißrussen, Litauer aus Polen und dem Memelgebiet, Polen und Juden aus Westpreußen und dem Wartheland - zusammen etwa zwei Millionen Menschen. In Südosteuropa wurden durch die Regelungen der Wiener Schiedssprüche von 1938 und 1940 sowie das Abkommen von Craiova 1940 und die Zerstörung Jugoslawiens umfassende Grenzrevirements und Umsiedlungen beschlossen und ausgelöst. Ungarn aus der Bukowina, Siebenbürgen, Bessarabien, Kroatien und Bosnien nach Ungarn; Rumänen aus Nordsiebenbürgen nach Südsiebenbürgen sowie aus der Süddobrudscha in die Norddobrudscha; Bulgaren aus der Norddobrudscha in die Süddobrudscha; Serben aus Mazedonien, Kroatien und Slowenien. Dabei geht es um Gruppen von bis zu 200 000 Menschen. Im Zusammenhang mit der Abgrenzung der Einflußsphäre zwischen Hitler und Stalin und des beginnenden deutsch-sowjetischen Krieges kam es zu Massendeportationen und kollektiven Umsiedlungen beziehungsweise Vertreibung von Minderheiten: Betroffen waren die Finnen Kareliens (400 000 Menschen), die Ingermanländer (annähernd 60 000), die Letten, Esten, Litauer (zusammen etwa 200 000), Polen (an die zwei Millionen), Ukrainer, die Sowjetkoreaner, die Wolgadeutschen (rund 400 000) und andere Gruppen. Nach dem Rückzug der Wehrmacht wurden weitere Völker kollektiv deportiert, darunter die Krimtataren, Tschetschenen, Inguschen, Karatschaier.

Die dritte Phase beginnt mit dem Zusammenbruch deutscher Herrschaft und endet mit der fast vollständigen Vertreibung der Deutschen aus dem östlichen und mittleren Europa - aber nicht nur der Deutschen. Betroffen waren die Deutschen aus den Gebieten östlich von Oder und Neiße mit rund 9 Millionen Menschen, aus der Tschechoslowakei mit rund 3,2 Millionen, aus Ungarn mit 200 000, aus Jugoslawien mit 350 000. 1,5 Millionen Polen verloren ihre Heimat in der Kresy und wurden mit über drei Millionen Menschen aus Zentralpolen in den neuen Westgebieten angesiedelt. Eine zweite Welle von Deportationen suchte die baltischen Republiken heim, Menschen aus allen Teilen der Sowjetunion wurden in den neuen Gebieten - vor allem in Ostpreußen, Galizien und Bessarabien - angesiedelt.

Fast überall in Südosteuropa kam es zu "kleineren vertragsmäßigen Umsiedlungen" und Austreibungen, so von Türken aus Bulgarien (100 000), Italienern aus Istrien (140 000), Ungarn aus der Slowakei und Jugoslawien, Tschechen aus der Karpatho-Ukraine. Ein neues Blatt ist im früheren Jugoslawien aufgeschlagen worden: Seit 1991 sind mehrere Millionen Menschen geflüchtet oder vertrieben worden.

 
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