Help me, help me, help me

Es gibt wundervolle Computerspiele. Und eklige. Wie man die Kinder davon fernhält? Gar nicht

Die Stunde der Wahrheit kam spät, vermutlich war es schon nach zehn Uhr abends, als das Kind seine neuen Kangaroos vor sich auf dem Fußpolster plazierte. Schon Größe 38! Das Kind lehnte sich im Sessel zurück. Es warf einen Blick zum Sofa rüber und sagte: "Von wirklicher Gewalt hast du ja wahrscheinlich keine Ahnung, Mama."

Vorsichtiges Durchatmen. Eine Stunde der Wahrheit ist nicht leicht zu haben. Man muß zu zweit sein. Niemand darf anrufen, kleine Brüder sollten schlafen. Man braucht schon ein Wochenende, ideal ist ein Samstagabend. Was man gar nicht brauchen kann: ein falsches Wort. Die Mutter sagt etwas wie Schon-möglich-mein-Kleiner. Ihr Kleiner sagt: "Es gibt Dinge, die so eklig sind, da würdest du bestimmt kotzen, Mama."

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Oje. Erinnert sich noch einer an die Zeiten, als beim Babyturnen diskutiert wurde, wie pastellig aquarellierte Seidentücher über die Wiege zu drapieren waren? Das Sonnenlicht würde durchscheinen und freundliche Eindrücke auf die kleine Retina legen. Zehn Jahre später, und das Leben kommt ungefiltert.

Das Kind sagt: "Du mußt auf alles schießen, was sich bewegt, du mußt mindestens 50 töten, um zu überleben. Wenn man einen trifft, stöhnen die. Also stöhnen ist total untertrieben. Das Spiel heißt Die hard . Die fliegen durch die Gegend und schreien richtig: AAAAHHHOHH! Man kann die Bluteffekte einstellen, und wenn man sie hoch einstellt, spritzt das Blut wie nichts aus ihnen raus."

Das Kind sagt: "Wenn du ein Auto triffst, explodiert es, und dann stehen plötzlich brennende Menschen auf der Straße und kreischen: ,Help me, help me, help me!'"

"Es gibt eine Szene, da kniet ein Mann vor einer Wand, und auf der Wand ist eine etwa 30 Zentimeter breite gebogene Leiste, die nach unten führt. Man schießt dann auf ihn, und dann ist die ganze Leiste voller Blut."

Es gebe ein Spiel, sagt das Kind, da rase man mit einem Auto durch die Stadt, um eine Bombe zu entschärfen, die kurz darauf alles in die Luft jagt, und deshalb rase man so schnell, daß die Fußgänger rechts und links erwischt würden und auf der Windschutzscheibe zerschellten. "Da rutscht blutiges Mus die Scheibe runter. Dann stellt sich der Scheibenwischer automatisch an, damit man weiterfahren kann."

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