Die Reformer (6)

Thomas Hettche schafft jungen Literaten eine Plattform im Internet

Samstag mittag. Kurz vor eins. Bin gleich mit Thomas Hettche zum E-Mail-Interview über sein literarisches Internet-Projekt Null verabredet. Ein Jahr lang stellen da junge deutsche Autoren regelmäßig Texte ins Netz. Sie (er)zählen den Countdown des ausgehenden Jahrtausends. Hettche, 35, Robert-Walser-Preisträger und Bachmann-Juror, hat zwei hervorragende Bücher geschrieben, Ludwig muß sterben und Nox, und ein drittes, das ich nicht zu Ende gelesen habe. Die Frage: Wird die Literatur ins Netz eingehen oder in ihm eingehen? Sprechen wir also mit dem Reformer - im Medium seiner Reform.

JUERGENS@ZEIT.DE: Hallo Thomas Hettche, wo stecken Sie gerade? Wobei störe ich?

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NULL@DUMONTVERLAG.DE (HETTCHE): Hallo Christian Jürgens, komme vom Frankfurter Markt (Wochenendeinkauf) und studiere Wohnungsanzeigen ...

ZEIT: Wollen Sie umziehen? Ist doch egal, wo man wohnt, wenn man am Netz ist, oder ...?

HETTCHE: Har-har. Netter Versuch zur Überleitung! Aber mein Notebook läßt sich im Sommer leider nicht zum Balkon aufklappen. Doch willig folge ich Ihrer Spur: In der Tat macht E-Mail oft vergessen, wo sich der Gesprächspartner gerade aufhält, so daß die Tatsache, wie viele der Null- Autoren in diesem Jahr notorisch unterwegs sind, völlig unwichtig geworden ist. Das kommt der Literatur entgegen. Wörter glaubten ja schon immer von sich, sie könnten fliegen. Jetzt tun sie's.

(Von wegen fliegen, die Mails brauchen eine geschlagene halbe Stunde zwischen Hamburg und Frankfurt.)

ZEIT: "Fliegende Worte", sehr hübsch. Technik und Poesie - darum geht's wohl. Was ist denn konkret die Idee, die hinter Null steht?

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