Info was?" Antwort: "Broker. Info-Broker, einer, der Datennetze, Bibliotheken und CDROMs durchwühlt und Informationen an Unternehmen verkauft." Der Groschen fällt. "Ach, Dokumentar sind Sie! Das gibt's doch schon lange." - Jeder Info-Broker kennt solch ein Gespräch.

Dass der Beruf "nicht wirklich neu" ist, sagt selbst Renate Brand aus Bad Zwischenahn, und die muss es wissen. Sie ist eine der wenigen weiblichen Info-Broker und - noch eine Seltenheit in dem Gewerbe - älter als dreißig. "Als ich Anfang der sechziger Jahre meine Ausbildung gemacht habe, nannten mich alle noch Dokumentarin", sagt sie. "Jetzt heiße ich eben Info-Brokerin." Da ist natürlich ein bisschen Koketterie im Spiel. Als hätte sich sonst nichts verändert. Als wäre das wichtigste Wissen noch immer zwischen Buchdeckeln, in Fachzeitschriften oder Loseblattsammlungen zu finden. Als wäre in der Zwischenzeit nicht der alles revolutionierende Personalcomputer erfunden, elektronische Speichermedien eingeführt und alles auch noch weltweit vernetzt worden. Stimmt schon, räumt sie ein. Aber Dokumentar - das riecht nach verstaubten Akten, muffigen Bibliothekskatakomben und tageslichtloser Wühlarbeit. Info-Broker dagegen klingt modern, nach Börsenparkett und vielleicht auch nach dem großen Geld.

Das klingt gerade für diejenigen verlockend, die mit einem Einstieg in die Selbstständigkeit liebäugeln. Denn die Investitionskosten sind minimal: Am Anfang lässt sich das Geschäft problemlos von der eigenen Wohnung aus führen.

Auch ein "optimistisch machendes Halbwissen" sei recht weit verbreitet, sagt Eberhard Köstlbacher vom Beratungs- und Informationszentrum für Datenbankrecherchen in Regensburg. "Fast alle Hochschulabgänger haben heutzutage schon mal online recherchiert."

Auf der anderen Seite gibt es einen "stetig wachsenden Bedarf" an der neuen Dienstleistung, wie der Deutsche Industrie- und Handelstag (DIHT) feststellt. Denn die Nachfrage nach zuverlässiger und schneller Information steigt. Wissen gilt längst als "vierter Produktionsfaktor" - neben Arbeit, Kapital und Boden. Während große Konzerne mit der Einrichtung eigener Rechercheabteilungen reagiert haben, fehlt Mittelständlern dafür häufig das Geld. Werbeagenturen, Verlage, Anwaltspraxen, Unternehmensberatungen: Für sie sind private Informationsvermittler optimal.

"Ohne Fachwissen ist Info-Broking nicht machbar"

Doch trotz des Booms ist die Zahl der Selbstständigen unter ihnen nur geringfügig gestiegen. Rund 5000 hauptberufliche Informationsvermittler zählt die DGI, die Deutsche Gesellschaft für Informationswissenschaft und Informationspraxis. Nur 100 bis 200 arbeiten als selbstständige Info-Broker, der Rest ist angestellt in großen Unternehmen. "Wer meint, die ganz schnelle Mark machen zu können, erleidet schnell Schiffbruch", sagt Michael Klems, der sich als einer der ersten Info-Broker in Deutschland niedergelassen hat. "Viele Neueinsteiger sind vom Internet verblendet." Aber das Bedienen einer Web-Suchmaschine und professionelle Datenbankrecherche haben wenig gemeinsam. Rund 40 000 Treffer kann eine Suchabfrage schon mal ergeben. "Diese auf die 10 wichtigen Treffer zu reduzieren, das ist die Kunst, die längst nicht alle beherrschen", sagt Rainer Schwarz-Kaske, Leiter des Arbeitskreises Info-Broker bei der DGI.