Oase der Ruhe

Teneriffa: Alternatives Ferienziel im Inselinnern

Egal, wie man sich Teneriffa nähert, der 3718 Meter hohe Pico del Teide dominiert immer den ersten Blick. Dabei ist er nur ein Reststück eines gewaltigen Vulkans, von dem nach dessen Explosion im Jahr 1492 nichts bis auf den Kraterrand übrig geblieben ist. Die sogenannte Caldera gehört mit ihren 16 Kilometern Durchmesser zu den größten Kratern der Welt. Hier in 2000 Metern Höhe hinterließen die Lavaströme verschiedener Vulkanausbrüche eine Mondlandschaft aus schwarzen Aschebergen, Geröllwüste, Schwemmlandebenen und bizarren Felsformationen.

Das Gebiet rund um den Vulkan ist nicht der einzige landschaftliche Höhepunkt, den Teneriffa zu bieten hat. Nicht mehr dazu gehört das Orotava-Tal, von dem Alexander Humboldt 1799 ergriffen notierte, dass er noch nirgends "... ein so mannigfaltiges, so anziehendes, durch die Verteilung von Grün und Felsmassen so harmonisches Gemälde gesehen habe". Das weite Tal beeindruckte auch Immobilienmakler und Tourismusmanager mit seiner Schönheit. Vor allem der nahe dem Meer gelegene Teil gehört heute zu den zersiedeltsten Gebieten der Insel und festigte den Ruf als vom Tourismus malträtiertes Urlaubsziel.

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Dabei liegen Teneriffas Qualitäten im Hinterland verborgen. Das üppig grüne Anage-Gebirge im Nordosten gehört zu den eindrucksvollsten Gegenden. Die Erosion hinterließ eine wild zerklüftete Landschaft mit tief eingeschnittenen Schluchten. Kleine Dörfer kleben an den schroffen Berghängen. Die hier lebenden tinerfeños haben der Natur durch Terrassenfeldbau ein paar Quadratmeter Acker abgetrotzt, auf denen sie mühselig Gemüse anbauen. In den höher liegenden Nebelwäldern hängen meist vom späten Vormittag an dicke Passatwolken. Dadurch hat sich eine spezielle Flora gebildet: meterhohe Lorbeerbäume, riesige Farne und Pinien.

Auch das wilde, unwirtliche Teno-Gebirge mit bis zu 600 Meter hohen, fast senkrechten Felsabbrüchen zum Meer hin hat mit seiner dramatischen Landschaft eine eigene Kraft. Besonders auffallend sind die bunten Erden, die sich in den eindrucksvollsten Einfärbungen von Gelb über Ocker bis zu Rot überall auf der Insel finden lassen.

Die Bildhauerin Ulrike Arnold hat sich von ihnen zu ihrer großen, 12 Meter durchmessenden Bodenskulptur Erdkreis auf dem Gelände der Zukunftswerkstatt Mariposa inspirieren lassen. 30 internationale Künstler haben ihre Spuren auf dem Projektgelände hinterlassen, das von den ehemaligen Galeristen Helga und Hans-Jürgen Müller in den Hügeln rund um Arona ins Leben gerufen wurde.

Aus Unbehagen über die Entwicklung der westlichen Zivilisation begannen sie vor 15 Jahren mit der Planung einer groß angelegten alternativen Urlaubs- und Kongressstadt. Aus Geldmangel schrumpfte das Projekt der Privatinitiative zu jenem Schmetterling, Mariposa, an dem sie seit sechs Jahren bauen. Die Zukunftswerkstatt möchte ein Forum bieten für den Austausch zwischen Entscheidungsträgern aus Wirtschaft und Politik mit Andersdenkenden - Philosophen, Künstlern und alternativen Wissenschaftlern. Fernab der täglichen Hektik sollen die wenigen geladenen Besucher ein, zwei Wochen hier verweilen, um in aller Ruhe über zukunftsweisende Konzepte und grenzüberschreitende Utopien nachzudenken.

Das Gelände lädt trefflich dazu ein. Angeregt durch die Schönheit des Inselinneren und ergänzt durch gestalterische Kraft des Menschen, haben die Müllers hier einen Rückzugsraum geschaffen. Skulpturen und Architektur ziehen sich über das 2,7 Hektar große Hanggrundstück hinab, ähnlich einem englischen Landschaftsgarten. So kann der Besucher auf einem japanisch anmutenden Steinbänkchen an einem kleinen Teich Platz nehmen, auf einem Steinsitz unter den weit ausladenden Ästen einer Akazie, in luftiger Höhe an dem Tisch im Belvedere oder im Haus der Stille. Die verschiedenen Ebenen des Geländes sind mit der escalera dorada verbunden, einer langen, goldfarbenen Treppe, die den Weg ins dritte Jahrtausend versinnbildlichen soll.

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