So schön kann die Liebe sein

In sieben Monaten erschuf ein Designer die perfekte Welt für den neuen Film von Rainer Kaufmann

Die Welt, die Gott geschaffen hat, ist kaum zu gebrauchen. Das Wetter ist launisch, die Bäume verlieren Blätter, und die Berge stehen selten dort, wo man sie sehen möchte. Knut Loewe arbeitet an einer besseren Welt, in der es solche Unberechenbarkeit nicht gibt, in der alles geplant ist und auf seine Wirkung getestet: das Leuchten der Sonne, das Grün der Blätter und die Farben der Wände.

An so einer Welt arbeitet Knut Loewe sechs bis acht Monate. Er macht Entwürfe, Entwürfe und immer wieder Entwürfe. Er schneidet Bilder aus Zeitschriften, klebt sie auf Papier und versucht so, langsam einen Grundriss für seine Welt zu finden. Auf die richtige Atmosphäre kommt es ihm an, auf die richtigen Farben und Formen.

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Das Architekturstudium hat Knut Loewe, 37, nach dem Vordiplom abgebrochen, weil er keine Lust hatte auf Bauphysik. Seine Gebäude sollten gut aussehen, nicht unbedingt lange halten, und so ging er lieber nach London auf das Royal College of Art. Er hat das Szenenbild gemacht für Die Apothekerin, für Einer meiner ältesten Freunde und jetzt für Long Hello & Short Goodbye .

So heißt der neue Film von Rainer Kaufmann, der Mitte Juli in die Kinos kommt, mit Nicolette Krebitz und Marc Hosemann, eine Mischung aus Thriller und Liebesgeschichte. Ein Neo-Film noir, sagt Kaufmann, der Regisseur. Auf jeden Fall ein extrem gestalteter Film. Und Knut Loewe, der Szenenbildner, sagt: »Nach dem Lesen des Drehbuchs war es das Gefühl von Zerrissenheit, das bei mir haften blieb.«

Im Film geht es um Vertrauen, Täuschung und Entpuppung. Die Charaktere sind undurchsichtig, jede Figur gibt vor, eine andere zu sein. Ein Frau namens Melody wird von einem Polizisten auf Ben angesetzt, der aus der Haft entlassen wird. Sie soll ihn zu einem Verbrechen anstiften. Und gibt sich als Freundin seines Freundes Dennis aus. Melody und Ben verlieben sich und kommen sich dennoch nicht nahe, als hingen sie wie Marionetten an Fäden und würden jedes Mal zurückgezogen, kurz bevor es zur Berührung kommt.

Der Film, beschloss Loewe, sollte etwas Maskenhaftes erhalten, etwas Kulissenhaftes. »Und der Zuschauer«, so Rainer Kaufmann, »soll es nicht zu einfach haben, sich zu orientieren.« Wir erkennen Hamburg, die Elbbrücken, Ausschnitte der Skyline und den Hafen. Aber wir erfahren nichts über die Zeit. Es kann eine Welt in den siebziger Jahren sein oder in den Neunzigern. »Der Film sollte modern sein, aber nicht modisch«, sagt der Regisseur. Aus Stadtgespräch will er gelernt haben, dem Film, den er 1995 gedreht hat. Denn der sei vom Design sehr schnell zu alt geworden.

In Long Hello & Short Goodbye hat sich Knut Loewe für eine unterkühlte Grundstimmung entschieden, für grau und braun als Grundfarben. Für gerade Linien und rechte Winkel. Für Schlichtheit. Er hat sich Häuser aus den sechziger und siebziger Jahren gesucht, aus einer Architekturphase, die sich International Style nennt, weil die Gebäude regional nicht zuzuordnen waren. Loewe hat auf jegliche Ornamente verzichtet, weil man an ihnen die Epochen ablesen kann.

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