Morgens um 9 Uhr schwärmen sie aus. Vor 18 Uhr sollten die Mitarbeiter nicht zurück in der Zentrale sein. Das macht einen schlechten Eindruck und bringt womöglich einen Rüffel ein.

Gute Abschlüsse werden auf ganz besondere Weise belohnt: Der oder die Glückliche darf eine Glocke läuten. Die kleine bei fünf, die mittlere für acht und die große ab zehn Aufträgen. Die kleine läutet so gut wie niemand.

"Willkommen im Team": Wir befinden uns in einer der Niederlassungen der Ranger Marketing und Vertriebsgesellschaft mbH.

Die Rangers sind für o.tel.o unterwegs. Das heißt, sie sind Vertriebspartner dieser noch jungen Telefonfirma, die versucht, dem Altmonopolisten Telekom massenhaft Kunden abspenstig zu machen.

Bis zum Aufstieg sind etliche Schuhsohlen platt gelaufen

Die Ranger-Gesandten kümmern sich um Besitzer kleiner Läden: Friseure, Gemüsehändler, Boutiquen, aber auch Rechtsanwälte und Ärzte. Sie sollen davon überzeugt werden, nicht nur von Fall zu Fall im sogenannten Call-by-call-Verfahren die Firma o.tel.o zu wählen, sondern sich an diese Gesellschaft fester zu binden. Preselection wird das genannt. Es reicht die Unterschrift unter einen einfachen Auftrag - und die Telekom muss bei jedem Ferngespräch den Kunden automatisch in das Netz ihres Rivalen umlenken. o.tel.o hat auf diese Weise inzwischen schon über 500 000 Kunden gewonnen; mehr als jeder andere Rivale der Telekom.

Das Potential ist noch immer riesig. Doch das wissen nicht nur die Rangers. Für sie gilt es, so schnell wie möglich ein Gebiet zu durchstreifen. Rund zehn Minuten sind für jedes Gespräch vorgesehen. Wer als potentieller Kunde zu viel fragt, gar debattieren will, gilt als verloren. Der nächste, bitte. Viele unterschreiben, ohne viel zu fragen. Ein Risiko gehen sie nicht ein. Alle können sich jederzeit wieder für eine andere Telefongesellschaft entscheiden.