Jerusalem wird fallen!

Zwischen Mordrausch und frommer Ekstase: Am 15. Juli 1099 erobern die Kreuzritter unter Führung des Gottfried von Bouillon die allerheiligste der Städte von Klaus Schulte-van Pol

Gott will es!" Mit diesem Ruf warfen sich die "Soldaten Christi" in die Schlachten der Kreuzzüge. Zuerst hörte man ihn am 27. November 1095 auf Provenzalisch: "Deus lo volt!", antwortete eine begeisterte Menge vor den Mauern von Clermont in der Auvergne, als Urban II. verkündete, nicht er, der Papst, Gott selbst fordere den bewaffneten Zug ins Heilige Land, damit Christi Grab befreit und den christlichen Brüdern im Orient gegen "das gemeine Gezücht der Araber und Türken" geholfen werde.

Nur vor dem Beginn des gewissermaßen offiziellen Kreuzzugs war der fromme Ruf auch auf Deutsch zu hören, als selbst ernannte "Soldaten Christi" im Mai 1096 plündernd und mordend über die rheinischen Juden herfielen. In den päpstlichen Ritterheeren der ersten "bewaffneten Wallfahrt", die erst im Oktober aufbrachen, fehlten die Deutschen allerdings. Weil Kaiser Heinrich IV. wieder gebannt war, blieben die Reichsfürsten, bis auf einen, zu Hause.

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Nur Gottfried von Bouillon und seine Lothringer zogen mit, aber die sprachen französisch.

Anfang Juni 1099, fast vier Jahre nach dem Appell von Clermont, lagern die Heere der Provenzalen, Flamen, Lombarden, Lothringer und Normannen in der Ebene von Galiläa. Kaum die Hälfte der viertausend Ritter und fünfundzwanzigtausend Fußsoldaten, die zwei Jahre zuvor über den Bosporus gesetzt hatten, sind noch dabei. Viele hatten im Pfeilregen der seldschukischen Reitergeschwader und beim Sturm auf die Städte den Tod gefunden, mehr noch waren in den Halbwüsten Anatoliens verhungert, verdurstet oder an Seuchen gestorben. Aber nicht alle, die fehlen, sind tot. Ganze Gruppen des Fußvolks sind desertiert, und weil Jerusalem noch weit, die Schätze des Orients aber nah waren, hatten sich auch große Herren zu Raub und Eroberung auf eigene Faust abgesetzt.

In der Nacht vom 6. auf den 7. Juni schläft kaum einer der Kreuzfahrer.

Schaudernd starren sie auf die Mondsichel, die kleiner und kleiner wird.

Schließlich verschwindet sie ganz. Eine solche Finsternis, das wissen alle, bedeutet Unheil. Sicher drohe Schlimmes, verkünden die Priester, die das Heer begleiten, aber nicht den "Soldaten Christi", sondern den Kämpfern unter dem Halbmond, denn den habe der Finger Gottes doch eben vom Himmel gewischt.

Leserkommentare
  1. Zitat Artikel: "...Die lateinischen Christen der Stadt, denen bei der Eroberung vor einem Jahr kein Haar gekrümmt wurde, sind jetzt vorsichtshalber ausgewiesen (aus Jerusalem). Schließlich war Antiochia nur durch Verrat eines Konvertiten gefallen..."
    Das kann nicht das "gemeine Gezücht der Araber und Türken" sein, wovon uns Herr Klaus Schulte-van Pol weismachen will. Oder doch?

    Warum werden die eigentlichen Hintergründe, wie es zu den Kreuzügen kommen konnte, nicht auch beleuchtet? Stattdessen werden einzelne Episoden herausgepickt, vorzugsweise jene Schlacht um Jerusalem, die ohne Zweifel große Greueltaten aufweisen kann, die jedoch jegliche Rechtfertigung der Kreuzritter unveständlich erscheinen läßt, in denen die "Soldaten Christi" eher als debile, überforderte und Unruhe stiftende Abenteurer dargestellt werden.
    Eine sehr einseitige Betrachtungsweise, selbst für Hobbyhistoriker.

    Na ja, zum Glück ist die Geschichtsforschung da etwas weiter.

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