Das beste Kotelett der Welt?
Probieren Sie doch mal. Dieser Mann trainiert schon den ganzen Sommer für die Weltmeisterschaft der Grilleure
Beginnen wir, wo das professionelle Grillieren seine vorläufig kräftigste Glut entwickeln wird. Beginnen wir im schweizerischen Toggenburg, wo Obstbäume von den sanften Hügeln lächeln, die Menschen wohlhabend, satt und doch - oder gerade deswegen - ein wenig ängstlich sind und wo unter den essbaren Tieren langsam Nervosität aufkommt, weil jeden Morgen ein paar mehr von ihnen tot sind. Am 9. September müssen insgesamt zwei Tonnen Fleisch bester Qualität erlegt sein, damit die erste World Barbecue Championship in Wil nicht bloß warme Luft hervorbringt. Je eine halbe Tonne Spareribs, Geflügel, Schweine- und Rindfleisch werden die 1000 Grillkünstler aus allen Erdteilen auf ihren Grills so professionell, wie es es geht, brutzeln und danach ihren ersten Weltmeister küren.
Favoriten gibt es viele. Allen voran die Schweizer, die in den vergangenen beiden Jahren den Europameister gestellt haben. Dann die Teams aus den USA, die großen Unbekannten, jene Teams, die von Wettkampfgrill zu Wettkampfgrill reisen und davon nicht schlecht und vor allem gut genährt leben. Außenseiterchancen haben Südafrikaner und Argentinier. Und da ist noch Hans Joachim Fuchs aus Erfurt, die deutsche Hoffnung. Fuchs, Chefkoch im Mr. Nature in Erfurt, wurde Anfang Juni unerwartet deutscher Meister. Seither befindet sich der sehr gesprächige 54jährige emotional auf einem Hoch, und man darf sagen, dass dies auch langsam Zeit wurde, denn unsympathisch ist er nicht.
Hans Joachim Fuchs wurde nur deutscher Grillmeister 1999, weil er im Verband der Köche in Thüringen mittut. Auf einer der monatlichen Verbandssitzungen, wo, wie man sich vorstellen kann, viel lamentiert und die Vergangenheit regelmäßig mit der Gegenwart aufgerechnet wird, lag diese Einladung zur deutschen Meisterschaft, und den Meisterköchen aus Thüringen war klar: Einer muss gehen. Fuchs, du bist dran. Chancen haben wir zwar keine, aber lächerlich werden wir uns auch nicht machen.
Es folgten Wochen des Trainings und schließlich die Anreise nach Gelnhausen im Dunstkreis von Frankfurt. Sie kamen als Exoten, wie er sagt, offenbar eine weit verbreitete Selbsteinschätzung in den neuen Bundesländern, wenn sie sich dort aus ihren angestammten Revieren begeben. Fuchs und sein Mr.-Nature-Team sagten zuerst »oh, nein«, als sie auf dem Wettkampfgelände eintrafen, weil gerade die Amateure ihren Auftritt hatten und Fuchs dachte, wenn die schon so gut sind, wie wird denn das morgen?
Birnen und Äpfel in Pfefferminzschaum.
Für seine Forelle im Kräuterspeckmantel kam er dann auf den zweiten Rang, mit dem gefüllten Entenbrüstchen hatte er nicht viel Glück und ging leer aus, sein feuriges Walpurgissteak kam auf den dritten Platz, und seine geschmorten Birnen und Äpfel in Pfefferminzschaum müssen so exquisit gewesen sein, dass man in Gelnhausen noch heute davon spricht. In der Addition reichte das für den Titel, den Siegescheck über 3500 Deutschmark und sein neues Selbstbewusstsein.
In der Schweiz, so ist er sicher, wird er sich auf alle Fälle aufs Podest grillieren, zumal er das gleiche Menü wie im nationalen Titelkampf servieren wird, auf ein wenig mehr Glück beim Entenbrüstchen hofft, und seine Nachspeise, ja, die sei natürlich eine sichere Bank. Die Forelle sei schon ziemlich optimal, das liege an seinem kleinen Geheimnis, sie noch mit ein wenig Schwarzbier zu überspritzen, was auch den Vorteil habe, dass er gleichzeitig seinen Durst löschen könne. Das feurige Walpurgissteak, darüber müsse man nicht sprechen, das könne er auch blind. An der Präsentation insgesamt, Fuchs räumt es ein, bastelt er noch. Arbeitstitel und Motto ist »Grillschlemmern mit Wolfgang Goethe« und der Wein, den er zu seinen Speisen serviert, auch ein Geheimtip, kommt aus Saale-Unstrut, ist trocken, sympathisch und mundig und - ich war dort und muss es sagen - unterscheidet sich mit seinen Charaktereigenschaften angenehm von den meisten Leuten, die ihn dort erzeugen.
- Datum 22.07.1999 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 1999
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