Wmwmwmwm, wummer, wummer, wummer. Harte Beats, irgendwo zwischen 500 und 1000 pro Minute, hämmern durch den Raum. Wie ein auf Dauerfeuer gestelltes Maschinengewehr bellen sie aus den Lautsprechern. Übersteuert. Verzerrt.

Jenseits der Kopfschmerzgrenze. Wmwmwm, kreiiisch. "Und das findest du wirklich gut? Da werd ich aggressiv, da flipp ich aus", schreit Silke und duckt den Kopf tiefer. Sicher, auch Martin tut es weh, wenn er das hört.

"Aber ich find's geil." Die Aggressivität der Musik, sagt Martin, sei Ironie, sei Katharsis. Wer bei so einem Sound nicht draufkommt, schafft es auch nicht mit Drogen. Aha. Noch ein Musikbeispiel? "O neiiin", wimmern Silke und Micha, Marius, Sebastian und Michael. O doch, sagt Seminarleiter Eberhard Elfert.

Schließlich ist die Gruppe nicht zum Spaß hier. Sondern auf Bildungsurlaub.

Silke, ihr Freund Micha und acht andere junge Leute zwischen 18 und 25 Jahren sind schon eine Woche vor der Love-Parade nach Berlin gekommen. Nicht, um sich aufgeschneckt für das Giga-Event in Stimmung zu taumeln. Hier geht es um Weiterbildung: "Techno?! Jugendkulturen in Berlin - Berliner Jugendszene zwischen Beliebigkeit und politischer Positionsbestimmung" nennt sich das Seminar, das als Bildungsurlaub anerkannt ist. Veranstalter ist Arbeit und Leben, die Landesarbeitsgemeinschaft für Politische Bildung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Wer nicht älter als 27 ist, kann für 200 Mark an dem Seminar teilnehmen, U-Bahn-Ticket, Kost und Logis mitten im Zentrum inklusive. "Wir wollen die Jugendlichen über Hintergründe informieren und sie dazu bringen, dass sie sich mit einem Thema aus ihrem lebensgeschichtlichen Umfeld kritisch auseinandersetzen", sagt Seminarleiter Elfert, der seit Jahren Bildungsseminare über Jugendkulturen anbietet. "Sie sollen ihre Standpunkte vertreten lernen. Das ist für uns ein Teil der Demokratieerziehung."

Natürlich zieht die beiden Auszubildenden von Hoechst in Frankfurt, die sieben Lehrlinge von VW in Kassel und den Studenten der Sozialwissenschaft aus Essen nicht nur die Aussicht auf Diskussionsrunden ins Berliner Bildungsseminar. Michael: "Ich wollte schon immer mal auf die Love-Parade.

Das muss man mal mitgemacht haben. Die Szene interessiert mich." Silke und Micha, die sonst in Frankfurt durch die Techno-Clubs ziehen, nutzen das Bildungsseminar auch, um nicht im Auto schlafen zu müssen: "Klar wollen wir hier Party machen. Aber wir möchten auch etwas über den Background erfahren."