Bewegt er sich doch, der Friedensprozess im Nahen Osten? In Washington wird der neue israelische Ministerpräsident geradezu enthusiastisch gefeiert: Dort verkündete Ehud Barak, er wolle innerhalb von 15 Monaten die Friedensverhandlungen mit den Palästinensern, Syrien und Libanon zum Abschluss bringen. Präsident Clinton scheint einmal mehr als nahöstlicher Vermittler gefragt, nachdem der Friedensprozess unter Baraks Vorgänger Netanjahu vollständig zum Erliegen gekommen war.

Der Zeitplan ist gar nicht einmal unrealistisch. Offen bleibt allerdings, wie Barak Frieden definiert. Sein Außenminister erklärte, die neue Regierung wolle keine Rückkehr zu den Grenzen vor dem Sechstagekrieg 1967, mithin auch keinen vollständigen Rückzug von den besetzten syrischen Golanhöhen. Die jüdischen Siedlungen würden nicht angetastet, das arabische Ostjerusalem bleibe unter israelischer Souveränität. Ein palästinensischer Staat liegt ohnehin in weiter Ferne: Nach 6 Jahren Verhandlungen hat sich Israel nur aus 18 Prozent des Westjordanlandes und 60 Prozent des Gaza-Streifens zurückgezogen.

Fakten zählen, nicht große Worte. Gut, dass Barak jederzeit bereit ist, sich mit Syriens Staatschef Assad zu treffen, um über die Golanhöhen zu verhandeln. Doch Barak weiß sehr wohl, dass Assad sich erst mit ihm treffen wird, wenn eine Lösung in Sicht ist. Und nicht schon vorher. Deswegen führte Rabin 1995 Geheimverhandlungen mit den Syrern, und wäre Rabin nicht ermordet worden, gäbe es wohl längst Frieden mit Damaskus.

Land gegen Frieden: Die 1993 in Oslo gefundene Formel ist simpel und noch immer gültig. Es ist dabei unerheblich, ob die arabischen Nachbarn Israel mögen oder nicht. Israel ist die stärkste Militärmacht im Nahen Osten und wird es vor allem dank amerikanischer Unterstützung bleiben. Kein arabischer Staat und keine Terrorgruppe kann Israels Sicherheit ernsthaft gefährden. Das Argument, Israel könne sich aus "Sicherheitsgründen" nicht aus den besetzten Gebieten zurückziehen, ist ein medienwirksamer Vorwand, um die entscheidende Frage nicht beantworten zu müssen. Will Israel Frieden mit seinen Nachbarn auf der Grundlage von Gleichberechtigung und Völkerrecht? Oder will Israel seine Politik der Vorherrschaft und der Besiedlung auch unter Barak fortsetzen, wenngleich rhetorisch freundlicher verpackt?

Zu allem Überfluss begreifen die meisten Araber nicht, wie im Westen Politik funktioniert, über die Medien nämlich. Während Barak für gelungene Fernsehauftritte sorgt, wissen wir von Assad nur, dass er auch nicht mehr der Jüngste ist. Israel ist westlich-modern, die arabische Welt vormodern. Darin liegt die tiefere Tragik.