Hauptsache billig

BSE, Dioxinskandal, Batteriehühner - auch der Konsument hat Schuld, weil er nur auf den Preis schielt

Schon elegant, wie Schöner essen - Food & Fun in seiner neuesten Ausgabe auf die jüngsten Lebensmittelärgernisse reagiert: mit Totschweigen. Also kein Rezept mit Rindfleisch, nachdem die Briten es nun wieder exportieren dürfen, trotz ständig neuer Fälle von Rinderwahn. Überhaupt kommen wenig Fleischrezepte vor - der Skandal um dioxinverseuchtes Tierfutter und Schweine aus Belgien lässt grüßen. Stattdessen eine Endlosstrecke zum Thema "Es geht auch ohne Fleisch!" Und auch nichts mit Ei, nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts in Sachen Legehennenbatterien - dafür der Tipp: "Veganer lehnen nicht nur alle Nahrungsmittel ab, die von getöteten Tieren stammen, sondern auch Folgeprodukte wie Eier."

Der Verbraucher ist wieder einmal verunsichert. Da hat er allerdings selber Schuld, meint jedenfalls Sieglinde Stähle vom Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde. Denn wenn es ums Essen geht, schaut der Konsument ausschließlich nach dem Preis. Stähle: "Lebensmittel sind ihm nicht mehr viel wert." Wolfram Siebeck wetterte unlängst in seiner ZEIT -Kolumne, "dass wir Rinderwahnsinn, mickerige Batteriehühner und saftlose Frostfische nur haben, weil es dem größten Teil der Bevölkerung völlig egal ist, was er in den Mund steckt. Wenn es nur billig ist."

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Die Produktions- und Handling-Kosten sind aber sehr wohl gestiegen. Während Handel, Transportunternehmen und Verarbeitungsbetriebe die Preissteigerungen an den jeweils nächsten weitergeben, bleibt Bauern und Nahrungsmittelherstellern angesichts der Marktmacht des Handels nichts anderes übrig, als immer weiter zu rationalisieren. So pfercht der Eierproduzent immer mehr Hühner in seinen Gebäuden zusammen - das spart Futter, weil die Hennen mangels Bewegung weniger Energie verbrauchen. Durch "Additive" und künstliches Licht wird zugleich der Ertrag ständig gesteigert, sagt Ulrich Hamm, Professor für Agrarmarketing an der Fachhochschule Neubrandenburg. Ein Batteriehuhn legt heute rund 300 Eier pro Jahr, ein Huhn in den fünfziger Jahren brachte es nur auf 120.

Der BSE-Skandal hat gezeigt, so Agrarexperte Hamm, wie leicht solcher Kostendruck zu "Fehlentwicklungen" führen kann. Gelegentlich kommt bei Produzenten und Zulieferern noch ein gehöriger Schuss kriminelle Energie dazu.

"Diese Entwicklung wäre nur aufzuhalten, wenn die Verbraucher teurere Produkte kaufen würden", meint Hamm. Doch das tun sie nicht. Zwar geben sie sich in Umfragen gesundheits- und qualitätsbewusst, sie finden Legebatterien ebenso abstoßend wie tagelange Tiertransporte quer durch Europa. Doch im Supermarkt greifen sie zum Billig-Importfleisch und zu den Eiern aus Legebatterien. Deren Marktanteil liegt bei 74 Prozent, sagt Thomas Janning, Sprecher des Zentralverbands der Deutschen Geflügelwirtschaft. Das Ei aus der Legebatterie ist eben am billigsten: Im ersten Quartal dieses Jahres kostete es im Schnitt 22 bis 24 Pfennig, ein Ei aus Freilandhaltung dagegen 32 Pfennig, ein Bioei gar 50 Pfennig.

Der Preis ist jedoch oft das einzige Kriterium, an dem sich das Gros der Verbraucher orientieren kann. Fleisch, Obst oder Gemüse werden in der Regel nicht als Markenartikel, sondern als Gattung verkauft. Und dank des Fortschritts der Lebensmitteltechnologie sind minder- und hochwertige Waren im Aussehen oder Aroma immer weniger voneinander zu unterscheiden.

Die Preise für Lebensmittel verfielen indes nicht einheitlich, vielmehr fand eine "Polarisierung" statt, wie Hamm sagt. Während der "Premiumbereich" der teuren und noblen Marken sich behaupten und zum Teil noch ausdehnen konnte, wuchs vor allem der Discountbereich, der inzwischen 40 Prozent des Warenangebots ausmacht. Das ging vor allem zulasten der mittleren Preiskategorie, die nur noch 20 Prozent abdecke - vor 15 Jahren seien es noch rund 50 Prozent gewesen, sagt Hamm. Beispiel Fruchtsäfte: Da gebe es eine Fülle an Angeboten bis zu 99 Pfennig pro Liter; "dann geht's erst wieder bei 1,80 Mark los, zwischen einer Mark und 1,50 Mark finden Sie fast nichts".

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