Millionen Mallorca-Urlauber baden in Unschuld: Während sie sich unter der Dusche den Sand von der Haut spülen, finden die Schafe der Insel kaum noch einen grünen Halm und müssen notgeschlachtet werden. Im Frühjahr war der Regen ausgeblieben, sodass die Vegetation schon Ende Mai austrocknete wie sonst erst im Hochsommer. Jetzt versorgen Tanklastwagen viele Hotels mit Trinkwasser. Teurer Ausnahmezustand.

Dabei kommen die Balearen noch glimpflich davon. In den USA hat die Hitzewelle bereits mehr als 220 Todesopfer gefordert, in Maryland wurde Wasser rationiert, Verschwender müssen mit 1000 Dollar Bußgeld rechnen. In Äthiopien, Somalia und Kenia droht sogar Millionen Menschen der Hungertod, weil die Ernten verdorren. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen warnt, allein in Äthiopien seien 4,6 Millionen Menschen bedroht. Der Bürgerkrieg verschärft die Lage.

Es dürfte noch schlimmer kommen: Im Jahr 2025, warnt die UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation, werde das weltweit verfügbare Trinkwasser nicht mehr für alle Menschen ausreichen. Schuld sind vor allem das Bevölkerungswachstum und steigende Ansprüche an Komfort und Hygiene. Statt 6 Milliarden Menschen müssten dann 8,5 Milliarden versorgt werden. Bodendegradation und Klimawandel verschärfen die Not.

Nicht einmal der Bau von Staudämmen, Tiefbrunnen und Wasserleitungen werde die Lage entspannen. Die Ingenieure könnten gar nicht so schnell bauen, wie der Bedarf wächst. Und obwohl sie sogar Satelliten einsetzten, um Vorkommen aufzuspüren, werde das kostbare Gut in den kommenden Jahrzehnten immer knapper, prophezeit der Wissenschaftliche Beirat der deutschen Bundesregierung, der eine Studie zum Thema Süßwasser vorgelegt hat. Der Vorsitzende Schellnhuber bezeichnet die Situation als "sehr besorgniserregend".

In vielen Trockengebieten wird künftig das Wasser wohl nicht mehr zum Menschen kommen, sondern die Menschen müssen zum Wasser. Am schlimmsten trifft es die Habenichtse. Nach den Schätzungen der deutschen Fachleute wären im Jahr 2025 rund drei Milliarden Menschen - etwa jeder Dritte - ohne ausreichendes, sauberes Trinkwasser, viele von ihnen müssten hungern. Es drohe sogar eine neue Völkerwanderung.

Das wichtigste Grundnahrungsmittel wandelt sich zunehmend vom selbstverständlichen Naturprodukt zum raren Wirtschaftsgut. Im nächsten Jahrhundert könnte es sogar eine ähnliche Rolle spielen wie heute das Öl. Immer mehr Metropolen treten ihre Wasserversorgung ab an internationale Konzerne, die ein lukratives Geschäft mit diesem Rohstoff wittern - Berlin ebenso wie Rio de Janeiro. Trinkwasser wird zur Handelsware. In 50 Jahren, so besagt eine UN-Studie, werde es gar wertvoller sein als Gold und strategisch bedeutender als Erdöl. Nationen werden zu den Waffen greifen, wenn ihnen Nachbarn das Wasser abgraben. Nato und US-Sicherheitsdienste betrachten die Wasserkrise schon seit Jahren als Sicherheitsrisiko. "Der nächste Krieg im Nahen Osten wird ein Wasserkrieg sein", prophezeite der ehemalige UN-Generalsekretär Butros Butros-Ghali.

Die Sorge ums tägliche Wasser ist in vielen Regionen der Erde längst bittere Realität. David Seckler, Direktor des Internationalen Instituts für Bewässerungswirtschaft (IIMI), ist "regelrecht schockiert" über das Ausmaß des Mangels. Im Sudan versteppen Felder, Israel zapft den besetzten Gebieten das Wasser ab, und in der Provinz Shandong, der Kornkammer Chinas, verdorrt immer wieder Getreide im Milliardenwert. Selbst Landstriche, die im Allgemeinen Regen satt bekommen, bleiben von gelegentlichem Wassermangel nicht verschont. So kam in England vor zwei Jahren die Trinkwasserversorgung ins Stocken, weil manche Flüsse zu Rinnsalen geschrumpft waren. Der regenreiche Inselstaat will mit Milliardenaufwand Brunnen bohren, um bei der Wasserversorgung weniger auf Flüsse und Seen angewiesen zu sein.