Das letzte GefechtSeite 3/3

Sechsundzwanzig kleine Fechtvereine rund um Tauberbischofsheim hat Beck gründen lassen. Eine Emil-Beck-Akademie will er aufbauen. Einen Golfclub hat er schon. Um des Fechtens willen. Denn Fechtturniere sind auf Dauer zu eintönig, um Sponsoren mit ihren Gattinnen zum Weekend ins Taubertal zu locken. Zum Golfen dagegen kommen die Herrschaften gerne mal und lassen beim Abschied eine Spende da. Viele Sponsoren hängen an mir½, sagt Emil Beck, und natürlich sei das keine Drohung.

Emil Beck steigt in ein Auto, das jeder im Ort kennt. TBB-E1 ist der teuerste Daimler weit und breit. Beck fährt den Wohnhügel der besseren Gesellschaft hinauf und stellt bei Tempo 30 seine Nachbarn vor, den Landrat, den Sparkassendirektor, den Abgeordneten. Irgendwie hat jeder seinen Platz in Emil Becks Imperium aus Vereinen, Beiräten, Firmen und Fördergesellschaften gefunden. Nur er selbst überschaut sein Reich noch. Es hat ihn irre viel Kraft gekostet, sich unersetzbar zu machen.

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Oben am Hügel hält Beck an und schreit von der Straße zum Balkon: Mami, mach mal Kaffee.½ Mami ist seine Frau. Sie wohnt mit ihm im Athletenheim und hat von ihm schon am Anfang der Ehe ihren Lebensplan empfangen: Mami, mach es dir zu Hause gemütlich. Ich bin nie da.½ Jetzt sorgt sie sich um ihren Emil, der nicht loslassen kann von der Idee, so lange unsterblich zu sein, bis deutsche Fechter wieder Gold holen.

Ist das Wahn? Anja Fichtel-Mauritz sagt: Ja, vielleicht ist Emil Beck wahnsinnig. Aber erfolgreiche Menschen müssen so sein. Ich war auch fanatisch, bei Olympischen Spielen.½ Sie hat schon früher Beck für seine Selbstherrlichkeit öffentlich angegriffen und will heute dennoch nicht, dass er abtritt. Die 30-jährige Anja Fichtel-Mauritz findet inzwischen, dass Wahn stark machen kann. Vor den entscheidenden Wettkämpfen wurde sie infiziert von Becks Besessenheit und gewann.

Natürlich, sagt sie, Beck habe Menschen erniedrigt und benutzt. Aber am System Emil½ sei nicht nur der Emil schuld½, sondern auch all seine gealterten Fechtkinder, die sich ihm fügen. Die lassen sich seit Jahrzehnten treten wie ein Hund, machen einen Aufstand und werden trotzdem wieder angewinselt kommen, wenn Emil die Hand ausstrecken sollte.½ Sich mit denen zu solidarisieren hieße, sich lächerlich zu machen.

Anja Fichtel-Mauritz hat für Tauberbischofsheim Gold geholt. 1988 in Seoul. Zwei Jahre später zog sie nach Wien und begann ein Leben außerhalb Emil Becks Großfamilie. Erst da war sie wirklich Siegerin. Emil Beck sieht seine widerspenstige Fechttochter noch heute jeden Tag. Das Foto mit Anja ist das einzige an der Wand hinter seinem Schreibtisch. Sogar das Bild von Helmut Kohl hat er gerade abgehängt. Es muss ihm wirklich dreckig gehen.

 
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