Auch kleine Städte haben große Söhne: Das englische Huntingdon an der Ouse, 20 Kilometer nordwestlich von Cambridge, hat Oliver Cromwell, der es vom Schaf-Farmer zum Lord Protector brachte, zum "höchsten Beschützer" der Republik von England, Schottland und Irland. Geboren wurde er 1599 - für viele Bürger Huntingdons ein Grund, jetzt seinen 400. Geburtstag zu feiern. Aber nicht für alle.

Warum Protestanten beim Festakt am 25. Mai in der Huntingdon Community Church unter sich blieben, erklärte Hochwürden Nicholas Kearney, Pfarrer der katholischen Nachbargemeinde von St. Michael, den Reportern des Daily Telegraph so: "Die ganze irische Frage ist die Hauptsache, und in dieser war Cromwell ausgesprochen antikatholisch. Wir glauben, dass es für uns nicht angemessen wäre, diesen Mann zu feiern und in die Vergangenheit zu schauen, da doch die Gegenwart unsere ganze Aufmerksamkeit fordert." John Morill, Professor für britische und irische Geschichte und Präsident der Cromwell-Gesellschaft, sagte dagegen in seiner Festrede, das Geburtstagskind werde zu Unrecht dämonisiert. "Es ist ein klassischer Fehler, die irischen Probleme der Gegenwart Oliver Cromwell in die Schuhe zu schieben, volkstümliches Geschichtsverständnis eben und bis heute der Grund für unnötigen Streit."

Doch wie Pfarrer Kearney denken viele katholische Iren in diesem Jahr eher 350 als 400 Jahre zurück, an den 15. August 1649, als "Cromwells Fluch", The Curse of Cromwell, über die Grüne Insel kam.

Der Aufstieg des Oliver Cromwell begann 1642. Jahrelang hatten Karl I. und sein Parlament sich gegenseitig blockiert. Alle Versuche des Königs, in seinen Reichen England, Schottland und Irland so souverän zu regieren wie seine gekrönten Kollegen in Spanien und Frankreich, waren am Widerstand der Abgeordneten gescheitert, denen er seinerseits ihre Rechte verweigert hatte. In Schottland und Irland herrschte schon seit dem Vorjahr offener Aufruhr.

Als nun auch in England das Schwert entscheiden musste, stellte Cromwell, durch eine Erbschaft wohlhabend geworden, aus eigenen Mitteln eine Reitertruppe auf, mit der er für das Parlament in den Krieg zog. Seine Soldaten waren handverlesen, Puritaner die meisten wie ihr Chef, also "Reiniger" des Glaubens von allen Resten des "Papismus" in Riten und Liturgie, Feinde jeder klerikalen Hierarchie zwischen Gott und seinen Geschöpfen und damit nicht nur der katholischen, sondern auch der anglikanischen Bischofskirche, der englischen Presbyterianer und der Kirk of Scotland. Was ihnen an militärischer Erfahrung fehlte, ersetzten sie durch Disziplin und den fanatischen Siegeswillen von Gotteskriegern. Cromwells "Eiserne" wurden die Kern- und Elitetruppe der New Model Army, des ersten stehenden Heeres in der Geschichte Englands, das sich bald zur dritten politischen Kraft zwischen König und Parlament entwickelte.

1648 schlug Cromwell die Royalisten bei Preston endgültig. Das Parlament hatte den Bürgerkrieg gewonnen, aber als es versuchte, die Armee nach getaner Arbeit unbesoldet nach Hause zu schicken und sich mit dem König zu arrangieren, drehten die Soldaten den Spieß um und "reinigten" es von mehr als 200 Presbyterianern, Anglikanern und Royalisten. Übrig blieb das Rump, ein "Rumpfparlament", in dem fast ausschließlich Puritaner saßen.

Die puritanischen Gotteskrieger metzeln Tausende nieder

Auf Cromwells Betreiben ließ es "den Mann Charles Stuart" von einem Gericht, das es nach englischer Rechtstradition gar nicht gab, zum Tode verurteilen. Am 30. Januar 1649 fiel sein gesalbtes Haupt unter dem Beil des Henkers. Wenig später hob das Rump "das Amt eines Königs", das Oberhaus und die Anglikanische Kirche "für alle Zeiten" auf. Unter den Stiefeln der Armee starb Merry Old England. Theateraufführungen und andere "öffentliche Lustbarkeiten" wurden verboten, Ostern und Weihnachten, traditionell als fröhliche holidays gefeiert, waren nun totenstille holy days, der Sonntag mit Musik und Tanz auf dem Dorfplatz wurde zum Sabbat. Noch stöhnten nur die Engländer im Commonwealth and Free State unter den Stiefeln der Armee, Iren und Schotten hatten dagegen Karl II., den Sohn des Geköpften, als dessen Nachfolger anerkannt.