"Forschungsbeamte? Ein Paradox"
Wenn das deutsche Hochschulsystem nicht flexibler wird, verliert es den internationalen Anschluss. Ein Gespräch mit Richard J. Brook
die zeit: Deutschlands Professoren sind unter Druck geraten. Man will sie stärker kontrollieren; sie sollen keine Beamten mehr sein; viele halten sie gar für faul. Ist der deutsche Professor international nicht mehr wettbewerbsfähig?
Richard Brook: Die deutschen Universitä- ten leiden nicht unter faulen Professoren. Wer Hochschullehrer werden will, weiß, dass er viel arbeiten muss. Das Problem sind die verknöcherten Strukturen der Universität, die die internationale Konkurrenzfähigkeit der deutschen Wissenschaft infrage stellen.
Brook: Das starre Beamtenrecht, die festgelegten Besoldungsvorschriften, die engen Haushaltsbestimmungen - all das erscheint mir als Hemmschuh dynamischer Wissenschaft.
zeit: Kürzlich hat eine internationale Kommission unter Ihrem Vorsitz einen Bericht über die Forschungsförderung in Deutschland verfasst. Liest man die Passagen zu den Hochschulen genau, müsste die Forderung heißen: "Universitäten abreißen und neu aufbauen."
Brook: Wieso?
zeit: Wir zitieren: "Trotz schwieriger Randbedingungen und inflexibler Organisationsstrukturen gelingt Instituten, Zentren und an einigen Universitäten auch Fachbereichen immer wieder die konzentrierte, intensive und erfolgreiche Bearbeitung von Forschungsgebieten." Das ist eine in Lob verpackte Abrechnung.
BROOK (lacht): Wir haben bei unserer Studie vor die Kritik stets ein paar lobende Absätze gestellt.
- Datum 19.08.1999 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 1999
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