Löcher im Lebenslauf

Gelegenheitsjob, Asientrip, Arbeitslosigkeit: Wie verkauft man solche Auszeiten geschickt in einer Bewerbung?

Der weiße Fleck erstreckt sich über ein halbes Jahr. Im Winter 1997/98 hat Wiebke Hofmann (Name geändert) kurz vor dem zweiten Staatsexamen ihr Referendariat hingeschmissen. Das Unterrichten hatte ihr vor allem eines gezeigt: dass sie nicht Grundschullehrerin werden wollte. Bis sich ein neuer Job anbot, vergingen sechs Monate. Erst im Sommer 1998 begann sie einem Filmclub bei Festivalvorbereitungen zu helfen. Daraus wurde ein Praktikum und aus dem Praktikum eine Fortbildung zur Kulturmanagerin.

Und was will die 30-Jährige im Lebenslauf angeben, wenn sie sich nach der Fortbildung einmal bewerben wird? "Ich würde sagen, dass ich ein halbes Jahr als Orientierungsphase genommen habe, das klingt aktiver", sagt Wiebke Hofmann. Keine Unwahrheiten? "Na ja, ich würde mir vielleicht das Praktikumszeugnis für eine längere Zeit ausschreiben lassen."

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Wiebke Hofmann und Beate Kemper sind keine Ausnahmen. Der direkte Einstieg in eine geradlinige Karriere gelingt nach dem Studium vielen nur schwer. Die ersten Jahre sind geprägt vom Hin und Her: von einer halben Stelle hier, einzelnen Aufträgen dort, eventuell einer Doktorarbeit oder sogar kurzer Arbeitslosigkeit.

Die Hochschulinformations-System GmbH (HIS) in Hannover untersucht diese Übergangsphasen nach dem Studium. Im jüngsten Absolventenreport zu Magisterstudiengängen kommt die HIS zu dem Ergebnis, dass nahezu die Hälfte der Magister in den ersten vier bis fünf Jahren einmal einer Honorartätigkeit nachgehen.

Der Report zeigt außerdem: Fast jeder Zweite ist einmal darauf angewiesen, einen Gelegenheitsjob anzunehmen, und nicht ganz ein Drittel ist in dieser Zeit auch einmal arbeitslos. Bei Diplom-Studiengängen gestaltet sich prinzipiell der Übergang ins Berufsleben einfacher - aber auch da wird die Phase des Suchens und Ausprobierens beobachtet.

In vielen Personalbüros gelten "Patchwork-Lebensläufe" als Makel. Und Arbeitslosigkeit als "letzte Station" sowieso. Um die zu vertuschen, gibt es allerdings noch ganz andere Möglichkeiten als die Hilfskonstruktion "freie Mitarbeit". Da wird schon mal behauptet, bei einer Firma beschäftigt gewesen zu sein, deren Konkurs gerade dick in den Zeitungen stand. Da schreiben Bekannte Zeugnisse für Praktika aus, die niemals stattgefunden haben. Oft wurden angeblich Verwandte gepflegt, die ihr Lebtag putzmunter waren. Oder man war schlicht "selbstständig" - dann kann kein Personalchef nach einem Zeugnis fragen. Wie viel geschummelt wird, bleibt aber im Dunkeln.

Kreative Unterbrechungen müssen kein Makel sein

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