Sprich ein Machtwort, Doris!
Eine neue Comedy-Serie verulkt den Kanzler, seine Frau und das Kabinett. Das Lustigste daran: Schröder ärgert sich. Worüber eigentlich?
Vor einem Jahr, ach was, noch vor einem halben wäre er persönlich dabei gewesen. Er hätte ein paar Regierungstermine sausen lassen, seine Frau Doris untergehakt und wäre in die MMC-Studios nach Köln-Hürth gefahren, um den Deutschen zu zeigen, dass so ein Bundeskanzler nicht nur Arbeit kennt, sondern Spaß versteht, ja selber Spaß machen kann.
So gesehen hat RTL Pech gehabt. Gerhard Schröder wird nicht zugegen sein, wenn RTL-Pressesprecher Wolfgang Osinski, Birgit Schrowange und Hans Meiser an diesem Donnerstag die Polit-Comedy-Serie Wie war ich, Doris der Öffentlichkeit vorstellen. Andererseits hat der Kölner Sender unverschämtes Glück, denn der Kanzler machte ihm ein viel schöneres Geschenk: Er ärgerte sich. Als Schröder in seinem Urlaubsort Positano erfuhr, dass er und die politische Klasse Gegenstand einer Comedy werden sollen, empörte er sich derart, dass er ein lange verabredetes Interview mit dem RTL-Chefredakteur Hans Mahr absagte.
Besseres, sagt RTL-Pressechef Wolfgang Osinski, habe dem Sender gar nicht passieren können, was zweifellos stimmt. Nur: Wie konnte es Gerhard Schröder passieren? Was hat den Kanzler derart aufgebracht, dass er der Spaßgesellschaft, die ihn als einen der ihren sah, vor den Kopf stieß? Jeder Zweite hält Schröder inzwischen für einen »Spielverderber«, wie eine Umfrage auf der Homepage von AOL Deutschland ergab. Verständnis für Schröders Reaktion brachten nur 30 Prozent auf, dem Rest war die Sache »egal«.
Die Comedy, die frühestens Ende September anlaufen wird, enthält nur geringes Empörungspotenzial. Geboren wurde die Idee, die RTL gemeinsam mit der Produktionsfirma Clou-Entertainment entwickelte, im Winter, als die rot-grüne Regierung von einem Chaos ins nächste trudelte. Laienhaftigkeit, nicht etwa Verderbtheit ist der Grundakkord der Comedy. Ansonsten spielt die Serie mit den gängigen Klischees, denen sie sich eher liebenswert als bösartig nähert.
Drehbuchautor Rüdiger Jung führt den Zuschauer in den Kindergarten des politischen Geschäfts. Angela Merkel tüftelt abstruse Kampagnen für ihre Partei aus, Jürgen Trittin lümmelt mit seinen »Spontifreunden« (RTL) auf seiner Wohnzimmercouch herum und muss sich für seinen Verrat an der linken Sache rechtfertigen. Gerhard Schröder, gespielt von Martin Zuhr (TV-Kaiser), ist der leicht überforderte Narziss, den Politik weit weniger interessiert als der Anzug seiner Minister.
Sechsmal 30 Minuten werden derzeit abgedreht, RTL rechnet mit 3-4 Millionen Zuschauern. Wenn das Konzept verfängt, liegt das vor allem an der verblüffenden Ähnlichkeit zwischen Schauspielern und den realen Personen, die selbst banaleren Dialogen einen gewissen Witz abringt. Einmal steht Jürgen Trittin vor dem Schreibtisch des Bundeskanzlers und ruft überrascht aus: »Sie essen Müsli!« Nach kurzer Pause: »Haben die Grünen doch was bewirkt, was?.« Darauf Schröder, halb ertappt, halb verärgert: »Lassen Sie Ihre billigen Scherzchen, Mann!« Trittin bockig: «Das war Müsli. Ich hab's genau gesehen!«. - »War es nicht!« - «War es wohl!« Pause. »Im übrigen«, beschließt Schröder den Wortwechsel, »esse ich, was ich will.« Und während Trittin den Raum verlässt, murmelt der Kanzler vor sich hin: »Wenn er nicht bald aufhört, lasse ich ihn wieder ans Atomkraftwerk anketten.«
So geht es zu in Wie war ich, Doris?. Die Titelheldin, Kanzlergattin Doris (Anna Momber), dient vor allem als Resonanzboden für den Running Gag der Serie. Auf Schröders Dauerfrage »Wie war ich, Doris?« darf sie in schriller Tonart antworten: »Suuuper, Gerd.«
- Datum 02.09.1999 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 1999
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