Die Erfindung, die Karl Ferdinand Braun schon 1897 machte, war eine der erfolgreichsten aller Zeiten - zuverlässig, preisgünstig und technisch beinahe unschlagbar. Aber nun ist die Braunsche Kathodenstrahlröhre immer mehr zum Klotz am Bein der technischen Entwicklung geworden - im wahrsten Sinne des Wortes: Beweglichkeit war noch nie eine Stärke des schweren und empfindlichen Stromfressers. Je größer die Bildoberfläche der Röhre, desto voluminöser der Kasten hinter dem eigentlichen Schirm. Ab einem bestimmten Format passt die Kiste einfach nicht mehr durch die Wohnungstür. Aber Hersteller und Publikum verlangen nach immer größeren, immer besser auflösenden Bildschirmen für Computer und Fernseher.

Die Nachfolger des strahlenden Monstrums bieten eine ausgezeichnete Bildqualität in Großformat und sind trotzdem nicht dicker als ein Päckchen Zigaretten. Sie verbrauchen kaum Strom und wiegen wenig. Rapide fallende Anschaffungspreise haben die Verkaufszahlen von Flachbildschirmen in die Höhe schießen lassen. Noch werden sie vor allem in tragbare Computer eingebaut, aber auch beim Schirm der Schirme, dem Fernseher, wird die Form immer flacher. Der Markt boomt: Letztes Jahr betrug der Umsatz der flachen Schirme weltweit 5,5 Milliarden US-Dollar. In diesem Jahr wird er sich noch einmal verdoppeln, in drei Jahren verzehnfachen.

Gleich drei Techniken sind heute weit genug entwickelt, um Brauns Erfindung überflüssig zu machen: Flüssigkristall-, Plasma- und Polymerdisplays.

Ein einziger kaputter Transistor, und der LCD-Schirm ist Schrott

Ende der sechziger Jahre wurden erstmals Flüssigkristallanzeigen - Liquid Crystal Displays (LCD) - in Taschenrechner und Digitaluhren eingebaut. Heute arbeiten die meisten Laptop-Monitore mit dieser Technik. Aus den einst kleinen, kontrastarmen und kaum entzifferbaren Bildschirmen sind leuchtstarke, farbige Monitore geworden. Eine Kombination von Polarisationsfiltern, durchsichtigen Elektroden und Flüssigkristallen reguliert die Lichtdurchlässigkeit der einzelnen Bildpunkte in einem LCD-Display.

Aber die Herstellung der LCD-Schirme ist kompliziert und teuer. Wie Computerchips enthalten sie Millionen von Transistoren. Schon wenn ein einziger dieser Transistoren defekt ist, wandert der ganze Bildschirm in den Müll. Und je größer die Bildoberfläche wird, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Staubpartikel einen Transistor beschädigt. So wächst der Preis der LCD-Schirme mit wachsender Größe ins Unermessliche.

Für das Großbildfernsehen ist der vielversprechendste Nachfolger der Bildröhre der Plasmaschirm. Er bietet aus jedem denkbaren Winkel eine gestochen scharfe Wiedergabe von Millionen Bildpunkten und kennt keine Größenlimits: Schon jetzt werden Monitore mit anderthalb Meter Bilddiagonale hergestellt, die nur eine Hand breit dick sind. Der Plasmaschirm besteht aus einer vollkommen flachen Glasplatte, in der Tausende haarfeiner Neonröhren nebeneinander liegen. Über die Röhrchen ist ein Raster von Drähten gespannt. Besteht zwischen Längs- und Querreihe eine ausreichend hohe Spannung, beginnt das Edelgas im Einzelröhrchen an einem winzigen Punkt zu glühen und ultraviolettes Licht abzustrahlen. Eine Phosphorbeschichtung im Röhrchen setzt die ultraviolette Strahlung in sichtbares Licht um.