Die Leiden des 68ers

Warum Sten Nadolny seinen Helden nicht mag

DIE ZEIT: Warum setzten Sie ihren Jugendhelden Ole Reuter noch einmal in den Zug und lassen ihn wieder ein Buch über seine Reise durch Deutschland schreiben?

STEN NADOLNY: Ich wollte wissen, was aus einem hoffnungsvollen Bürschchen voller guter Gaben, Neugier und Zärtlichkeit alles werden könnte. Ich wollte mal schwarz malen und zeigen, was alles schief gehen kann.

Anzeige

NADOLNY: Was? Das ist ja ein verblüffendes Ergebnis. Der Junge war doch kein Kotzbrocken. Der war sehr nahe an mir selber dran, ich wollte damals, dass der sympathisch ist, liebenswert und sich selber sympathischer wird.

ZEIT: Ist das Ihr Ernst?

NADOLNY: Liebenswerter Taugenichts, das stand doch sogar in den Klappentexten.

ZEIT : Das hat Herr Professor Frühwald behauptet.

NADOLNY: Ja, wenn Sie überhaupt keine Autoritäten mehr anerkennen, dann weiß ich auch nicht weiter. Der Alte ist jemand, den ich mir vorgestellt habe. Ein gealterter 68er. Ich wollte wissen, wie wird man, wenn man in einem Beruf reüssiert und sich doch hohl und windig fühlt, weil man sich auf nichts einlassen kann, immer nur die Gastrolle spielt. Was für Spuren hinterlässt so eine Karriere? Der Kerl ist wehleidig, wie das bei einem Menschen, der nicht auf eine gute Weise reif und älter wird, oft der Fall ist. Er fühlt sich betrogen. Also den meinte ich nicht sympathisch. Und Ihnen ist der sympathisch?

  • Neu auf ZEIT ONLINE
    1. Duisburg Eine Stadt atmet auf
    2. Griechenland Parlament macht Weg für Krisenhilfe frei
    3. Aufstand gegen Assad Syrien lehnt UN-Mission als "feindlichen Akt" ab
    4. Industrie Manager werden zu Investmentbankern
    5. Whitney Houston Die letzte Diva
  • Neu im Ressort
    1. Anzeige
    2. Anzeige
    3. Anzeige
    Service