Rauchzeichen über den Wolken
Als Resultat der no smoking policy der Fluggesellschaften rasten immer wieder Passagiere aus, weil sie im Flugzeug nicht rauchen dürfen. 566 machten letztes Jahr allein in deutschen Flugzeugen Krawall. Schon fordert die Pilotenvereinigung Cockpit in Deutschland Rauchernischen.
Laut Cockpit entzünden sich fast die Hälfte aller Scharmützel in deutschen Maschinen mit unruly passengers am Glimmstengel, vor allem bei Langstreckenflügen. Eine Studie der British Airways bestätigt diesen Trend: Im letzten Jahr waren fast 70 Prozent aller Zwischenfälle an Bord auf das Rauchverbot zurückzuführen.
Nichtsdestotrotz ist mittlerweile bei über 50 internationalen Fluggesellschaften das Rauchen gänzlich verboten - ein Erfolg der seit 1992 Lobby betreibenden International Civil Aviation Organization (ICAO). Die Anstrengungen, den blauen Dunst in Jets zu bannen, stießen zuerst vor allem in der puritanischen Neuen Welt auf Gegenliebe. 1994 unterzeichneten Australien, Kanada und die USA ein Abkommen, das rauchfreie Non-Stop-Flüge zwischen den drei Ländern festlegte.
In Deutschland waren die Anfänge der Nichtraucher-Fliegerei zwar zögerlich, doch seit dem 29. März 1998 startet auch Lufthansa rauchfrei. Der Ferienflieger LTU wird ab November 1999 folgen.
Wie in den USA wird in Europa rauchfrei zu fliegen zur Norm. Airlines wie British Airways, SAS, Sabena oder Swissair bieten ausschließlich No-Smoking-Flüge an. Nur noch Luftfahrtgesellschaften wie Aeroflot, Air China oder Pakistan International Airlines halten den Rauchern die Stange.
Bei Umfragen sind zwar schon mal bis zu 91 Prozent der Fluggäste (Lufthansa) für Nichtraucherflüge, und Befragungen zufolge verlangen 87 Prozent der Passagiere ausdrücklich Nichtraucherplätze. Doch im Flugalltag bescheren Raucher den Crews immer wieder böse Überraschungen. Die von der ICAO 1995 formulierten Befürchtungen trafen alle ein: Gefährliches Rauchen auf Toiletten, unflätiges Benehmen von Passagieren auf Nikotinentzug. Der südamerikanische Geschäftsmann im Nichtraucherflug nach London, der drei Passagiere schlägt und einen Steward würgt, nachdem er gebeten wurde, das Rauchen einzustellen - er steht für Hunderte ähnliche Fälle.
Um gegen dicke Luft gewappnet zu sein, hat Lufthansa ein sechsstufiges Szenario entworfen, das den Umgang mit widerspenstigen Rauchern regelt. Stufe sechs: Fesselung an den Sitz mit Klebeband. Bei British Airways wird das Yellow-Card-Prinzip angewendet. Uneinsichtige Raucher, die auf dem Rauchgenuss beharren, werden schriftlich verwarnt. Aber auch bei den Briten liegen für Härtefälle Handschellen bereit.
- Datum 09.09.1999 - 14:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 37/1999
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