Der Gartenteich ist des deutschen Hobbygärtners ganzer Stolz. Das Feuchtbiotop mit schillernden Goldfischen, quakenden Fröschen und bunten Libellen gilt geradezu als Symbol für heimisches Glück. Wer käme auf die Idee, dass das Gartenidyll für kleine Kinder zur tödlichen Falle werden kann?

"Kinder können buchstäblich in der Pfütze ertrinken", sagt Martin Kirschstein. Der Kinderarzt kennt viele tragische Fälle. Jedes Jahr ertrinken in Deutschland rund 60 Kinder unter fünf Jahren - nach Verkehrsunfällen die zweithäufigste "unfallbedingte Todesursache" in diesem Alter. Die meisten Opfer, ergab eine Studie von Kirschstein, sind in Haus oder Garten zu beklagen. "Statt tosender Wogen an Nord- und Ostsee werden viel häufiger Gartenteiche und Badewannen zum Verhängnis", sagt der Leiter der Kinderklinik im Allgemeinen Krankenhaus Celle.

Doch wie kann die friedliche Planschpartie in der Badewanne oder das Matschkuchenbacken am Teichrand zur Familientragödie führen? Schuld ist die Neugier der Kleinen - und ihr Körperbau. Bei Kindern liegt der Schwerpunkt, anders als bei Erwachsenen, wegen des großen Kopfes nicht auf Höhe des Nabels, sondern im Brustbereich. Beugt sich so ein Dreikäsehoch dann neugierig über eine spiegelnde Wasserfläche, fällt er leicht hinein. "Die tragischsten Fälle waren zwei Jungen, die kopfüber in die Regentonne gekippt sind", sagt Kirschstein. Jungen sind offenbar besonders gefährdet - sie ertrinken dreimal so häufig wie Mädchen.

Das Wasser muss dabei nicht einmal sehr tief sein. Bereits wenige Zentimeter können den Sprösslingen zum Verhängnis werden. Gerichtsmediziner berichten von Kindern, die in der Badewanne starben, in denen ihnen das Wasser im Sitzen gerade bis zum Nabel reichte

ein zweieinhalbjähriges Mädchen verunglückte in nur acht Zentimeter tiefem Wasser.

"Zu Hause passen die Eltern weniger auf als am Meer und bleiben oft nicht in Greif- und Hörweite", sagt Martin Kirschstein. Schon fünf unaufmerksame Minuten am Bügelbrett oder vor dem Fernseher können zum Verhängnis werden.

Denn die Kinder sterben meist leise und unbemerkt. Manche bleiben einfach erstarrt liegen, wenn sie mit dem Gesicht voran ins Wasser fallen. Ein kleines Mädchen etwa ertrank im Beisein seines sechsjährigen Bruders in der Badewanne. Der Junge dachte, es hätte sich zum Schlafen hingelegt.