Jedes Kind verbindet mit diesem Namen wissenschaftliche Kompetenz: Fresenius, das sind die Forscher, die die Stempel aufs Nutella-Glas drücken und auch das Mineralwasser untersuchen. Nur die wenigsten wissen, dass es in der Gesundheitsbranche neben dem Institut aus Taunusstein noch ein weit größeres Unternehmen gleichen Namens gibt: die Fresenius Medical Care AG (FMC) im nahe gelegenen Bad Homburg, die sich in aller Stille von der Apotheke zum internationalen Anbieter gemausert hat. In wenigen Tagen wird das Unternehmen in den Deutschen Aktienindex (Dax) aufgenommen und darin den Platz der scheidenden Hoechst AG einnehmen.

Mit seinen künstlichen Nieren ist FMC der Weltmarktführer am Dialysemarkt.

Rund um den Globus vertrauen Nierenkranke auf die Technik aus Bad Homburg.

FMC baut nicht nur Maschinen, sondern betreibt auch Blutwäschezentren in 18 Ländern der Welt. 75 000 Patienten werden dort regelmäßig betreut, und jährlich werden es mehr. Immer wieder kauft das Unternehmen Kliniken dazu.

Den größten Coup landete FMC 1996 mit der Übernahme des amerikanischen Gesundheitsdienstleister National Medical Care mit seinen über 600 Dialysestationen. 20 Jahre lang hatte Gerd Krick, Vorstandsvorsitzender der Konzernmutter Fresenius AG darauf hingearbeitet und sich in der Endrunde gegen einen finanzstärkeren US-Wettbewerber durchgesetzt. "Wir hatten einfach das intelligentere Konzept", urteilt Krick über den Deal, der FMC mit einem Schlag zur Nummer eins machte.

Jährlich wächst die Zielgruppe des Unternehmens Allerdings hat die Expansion von Fresenius Medical Care auch natürliche Gründe. Eine der Hauptursachen für Nierenversagen ist die Zuckerkrankheit - ein Zivilisationsleiden. Immer mehr Menschen leiden im Laufe ihres Lebens unter Diabetes und kaputten Nieren, doch immer weniger Patienten sterben daran. Deshalb wächst die Zahl der Blutwäschepatienten in jedem Jahr um rund acht Prozent. Mit einem Umsatz von 6,4 Milliarden Mark und 29 000 Mitarbeitern ist FMC ein heimlicher Riese.

Ein typischer Nischenplayer - weltweit erfolgreich, aber trotzdem weithin unbekannt. Zumindest wesentlich unbekannter als das Labor in Taunusstein.