Ist da jemand?
Ein Hotel in München steht seit Jahren leer - perfekt eingerichtet. Jetzt wird es abgerissen. Unser Autor verbrachte dort eine Nacht, allein, als letzter Gast. Doch er schien nicht der Einzige zu sein.
Mitten in München, gegenüber dem südlichen Eingang des Hauptbahnhofs, in der Bayerstraße 43, steht das Hotel Metropol. Sechs Stockwerke hoch, 260 Zimmer, 320 Betten. Es ist menschenleer und unbewohnt. In ein paar Wochen werden sie es abreißen. Dann werden sich selbst die Geister eine neue Behausung suchen müssen. Dann wird das Hotel Metropol verschwunden sein, für immer. Ich werde der letzte Bewohner sein.
Nachmittag. Es ist schwül, eine drückende Hitze ist in der Stadt. Sie haben mir den Schlüssel gegeben. Vor dem Haupteingang liegen verwehte Fetzen und anderes Kleinzeug. Auto und Menschenlärm. Im Sexyland gegenüber blinkt die Leuchtreklame.
Ich sperre auf. Der Schlüssel dreht sich mühelos. Wir gehen rein. Frau Ebner ist dabei. Sie arbeitet beim Baukonzern Philipp Holzmann, dem das Hotel gehört. Vorher hat sie drei Jahre in der Buchhaltung des Metropols gearbeitet. Sie macht eine Führung für mich, damit ich mich nachts nicht verliere. Der Geruch nach Abgestandenem ist sofort da. Und die Stille. Fünf Schritte, dann stehen wir auf dem Marmor. Rechts die Rezeption. Dunkles Holz.
Links ein Vorplatz. Drei Aufzüge.
Nehmen Sie nicht den Aufzug!
Gut.
Ein Name, den ich seit Tagen im Kopf habe, meldet sich. Jack Torrance.
- Datum 16.09.1999 - 14:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 38/1999
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