Kann man auf dem Mount Everest ein hart gekochtes Frühstücksei zubereiten? Wir sind uns einig, dass mit der Höhe der Siedepunkt des Wassers sinkt. Unschlüssig sind wir uns jedoch, ob die niedrigere Kochtemperatur noch ausreicht, das Eiweiß fest werden zu lassen, und für den Praxistest haben wir leider keine Zeit.

Andreas Geisler und Ralf Targan, Nürnberg

Auf dem Mount Everest siedet Wasser bei etwa 70 Grad. Das ist ein rein physikalisches Phänomen: Weil der Luftdruck dort oben geringer ist als auf Meereshöhe (nämlich nur etwa 0,3 Bar), brauchen die Wassermoleküle nicht so viel "Schwung", um in die Luft zu entweichen. Weniger Schwung heißt aber geringere Temperatur.

Das Gerinnen des Eiklars (und auch des Eigelbs) dagegen ist ein chemisches Phänomen, nämlich die so genannte Denaturierung der langen Eiweißmoleküle. Und inwiefern ist diese Reaktion vom Druck abhängig?

Ich habe mir einen Experten gesucht, der ziemlich gut weiß, was mit Eiweiß unter Druck geschieht. Horst Ludwig von der Uni Heidelberg experimentiert nämlich mit Verfahren, bei denen man Lebensmittel unter sehr hohem Druck schon bei Kühlschranktemperaturen schonend garen kann. Aber dazu braucht man riesige Drücke von mehreren tausend Bar. Für unsere Zwecke kann man sagen: Der Druck spielt für die Eiweißgerinnung keine Rolle.

Es passiert also nichts anderes, als wenn man zu Hause das Eierwasser nur auf 70 Grad erhitzt. Zwar kriegt man das Ei gar, aber "dieser Vorgang dürfte die Geduld eines Bergsteigers auf dem Mount Everest überfordern", sagt Horst Ludwig. "Nach einer Stunde erhält er ein sehr, sehr weich gekochtes Ei. Nach anderthalb Stunden wird das Eiklar einem weich gekochten Ei vergleichbar, das Eigelb ist vergleichsweise fester." So richtig hart wird das Ei wahrscheinlich nie.