DAVE GROSSMAN, 43, war Militärpsychologe und Offizier (Airborne Ranger Infantry). Er unterrichtete Psychologie an der Militärakademie West Point. Im vergangenen Jahr hat er seine Soldatenkarriere beendet, um die Killology Research Group zu gründen und sich der Erforschung des Tötens zu widmen. Im Oktober erscheint sein neues Buch Stop Teaching our kids to kill (Random House, New York).

Colonel Grossman, Sie sind Experte fürs Töten. Kann man das bei Ihnen lernen?

Lassen Sie sich Sex von einem Sexualforscher beibringen? Wohl kaum.

Killology, wie ich es nenne, ist die wissenschaftliche Erforschung des destruktiven Akts. Mich interessieren die Faktoren, die den Schritt zum Töten erleichtern oder erschweren. Dafür habe ich auch mehrere hundert Soldaten interviewt, die in Kampfsituationen getötet haben.

Stimmt es, dass zunächst einmal jeder Mensch eine eingebaute Hemmschwelle hat, einem anderen Menschen das Leben zu nehmen?

Gesunde, normale Menschen besitzen einen biologisch machtvollen Widerstand gegen den Akt des Tötens. Selbst in Augenblicken blinder, besinnungsloser Wut gehen sie nicht hin und schneiden ihrem Kontrahenten die Kehle durch. Wir haben nachgewiesen, dass im Zweiten Weltkrieg nur 15 bis 20 Prozent der Soldaten auf einen exponierten Feind schossen. Die Mehrzahl zielte selbst unter eigener Lebensgefahr irgendwo daneben - so stark ist die Hemmung, Artgenossen zu töten.

Kann man diesen Widerstand beseitigen?