Ich bin gut! Ich bin am besten!

Dachten Sie, Leistung sei entscheidend für die Karriere? Ganz falsch - viel mehr zählt es, von sich reden zu machen. »Selbst-PR«: Diese Technik müssen vor allem Frauen noch lernen

Was bin ich doch für ein Riesenrindvieh!« Constanze B., 33, schlägt sich die Hand vor die Stirn. »Meine Karriere kann ich jetzt wohl erst mal abschreiben.« Ein zündender Augenblick, die Leiterin der Rechercheabteilung einer großen Brokerfirma hat gerade etwas kapiert.

Kürzlich hatte der Firmenchef sie auf eine Runde Golf eingeladen: »Kommen Sie doch Sonnabend auch mal.« Verwirrt hatte Constanze B. abgelehnt: »Ich spiele aber leider gar kein Golf.« Er hatte gelächelt: »Dann laufen Sie doch einfach so mit, bei schönem Wetter ist das ein herrlicher Spaziergang.« Sie hatte wieder nein gesagt: »Ach, samstags, da habe ich eigentlich so viel zu tun ...«

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Ausschlaggebend für die neue Erkenntnis war die Konfrontation mit einer amerikanischen Studie. Beim Computerkonzern IBM waren vor einigen Jahren Personalverantwortliche gefragt worden: »Von welchen Faktoren hängt es ab, ob jemand im Unternehmen Karriere macht?« Drei Hauptgründe hatten sich dabei herauskristallisiert: gute Leistungen, gute Selbstdarstellung, gute Kontakte und Beziehungen.

Das klingt nicht gerade überraschend. Bemerkenswert allerdings ist die Gewichtung der drei Faktoren. Die Leistung nämlich - also das, worauf es bei der Arbeit nach landläufigen Vorstellungen ankommt - trägt laut dieser Befragung nur zu 10 Prozent zum Aufstieg bei. Die Fähigkeit zur Selbstdarstellung dagegen zu 30 Prozent. Und den größten Anteil am Erfolg, 60 Prozent, haben Kontakte und Beziehungen! Schwarz auf weiß ist da also ein Sachverhalt dokumentiert, der hierzulande gern belächelt oder mit Naserümpfen kommentiert wird: als Vitamin B, als Vetternwirtschaft oder »Hochschleimen«. Doch moralische Urteile über mangelnde Gerechtigkeit hin oder her, die Realität beweist es täglich: Auch in Deutschland muss man die richtigen Leute kennen, damit es klappt mit der Gehaltserhöhung oder dem Traumjob.

Frauen sind fleißig. Aber die Fleißigen sind die Dummen

Mit Karriereschritten belohnt werden nun mal meist nicht die Stillen, sondern die Lauten. Und es siegen nicht unbedingt die Besten - aber die besten Selbstdarsteller bestimmt. Wer etwas werden will, muss also »Selbst-PR« beherrschen - die Methode, ganz bewusst und aktiv auf sich aufmerksam zu machen, seine Fähigkeiten, Ideen und Erfolge unübersehbar ins Spiel zu bringen. Wie oft fragt man sich angesichts einer Beförderung: »Wie hat der das bloß geschafft?« Ganz einfach, der Aufsteiger hat bloß die Spielregel Nummer eins beachtet: Kommunikation macht Karrieren. Das gilt für Hierarchien in einzelnen Unternehmen wie für die gesamte Wirtschaft, ja für die Gesellschaft allgemein.

In einer Zeit, in der Produkte, Dienstleistungen oder Wahlprogramme sich immer ähnlicher werden, steigt die Bedeutung persönlicher Kontakte. Denken Sie doch mal darüber nach, wie Sie an Ihren Friseur, Ihre Steuerberaterin oder Ihren besten Geschäftspartner geraten sind. Wetten, dass dies über Empfehlung gelaufen ist? So tickt diese Welt, so laufen Geschäfte, so funktioniert selbst Politik. Wer Erfolg haben will, muss reden können oder, salopper ausgedrückt, das Maul aufmachen: »Hier bin ich, das kann ich, schaut mich an.« Bescheidenheit ist keine Zier, der Fleißige ist der Dumme, und wer darauf wartet, entdeckt zu werden, verpasst seine Chance!

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