Ich habe einen Traum

Stefan Raab, 32, ist Moderator der Show »TV total« auf ProSieben und erfolgreicher Musikproduzent (Ö la Palöma Boys). Der gelernte Metzger und frühere Jurastudent hatte sich zuvor vor allem als Viva-Moderator einen Namen gemacht. Stefan Raab träumt davon, mit einem Katamaran um die Welt zu segeln

Ich habe einen Riesentraum: Ich will für ein paar Jahre mit einem großen Katamaran um die Welt segeln. Die Idee lässt mich gar nicht mehr los. Ich blättere die ganze Zeit durch Prospekte von Schiffen, lese dicke Bücher und studiere Seekarten. Schon früher haben mich die ganzen Geschichten von der Meuterei auf der Bounty und Captain Cook fasziniert. Meinen ersten Segelschein habe ich mit 13 an der Ostsee gemacht, da hieß die letzte Frage: Zeichne deinen Segellehrer. Ich war wirklich schwer unterfordert. Später habe ich mit meinem Vater einen Sportkatamaran gekauft und an Regatten teilgenommen. Bis meine Mutter mitsegeln wollte, da haben wir uns einen Trimaran mit Kajüte geholt, ein echtes Geschoss. Übrigens ist ein Schiff der einzige Ort, wo keine Demokratie herrschen darf. In brenzligen Situationen muss einer die volle Verantwortung übernehmen. Wenn man zwei Kapitäne an Bord hat, gibt das Mord und Totschlag. Wenn ich mit meinem Vater segel, ist das schon immer ein bisschen kritisch ...

Anfang der neunziger Jahre war ich fünf Monate in Australien, da bin ich mitgesegelt auf einem Charterschiff an der Ostküste und habe auch jede Menge Freaks und Weltumsegler getroffen. Das hat mich sehr fasziniert. Und letztens habe ich hier in Deutschland zwei Typen kennen gelernt, die um die Welt gesegelt sind und darüber ein Buch geschrieben haben. Das sind allerdings richtige Hasardeure, die mehrere Male ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben. Die erzählten wahnsinnige Geschichten. Die haben auch die harte Route genommen, um Kap Hoorn im Winter.

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Einmal wollte ich mit einem Freund auf der Ostsee bei Windgeschwindigkeiten von 80 Stundenkilometern rauf nach Langeland. Auf der Hälfte der Strecke stellten wir fest, dass der komplette Lee-Rumpf unter Wasser stand, weil ich vergessen hatte, vorne eine Luke zuzumachen. Als mein Freund eine Videokamera aus der Kajüte holen wollte, stand er plötzlich bis zur Hüfte im Wasser. Wir waren kurz vorm Kentern. Zum Glück haben wir es wieder nach Heiligenhafen zurückgeschafft. Das war bislang die brenzligste Situation. Aber in der Ostsee schaltest du im Notfall auf Kanal 16 und sagst: »Mayday, Mayday«, und in einer Viertelstunde ist Hilfe da. Außerdem hast du ja auch eine Rettungsinsel, und wenn der Katamaran umkippt, setzt du dich halt obendrauf und wartest. Das ist im Atlantik oder im Pazifik natürlich anders.

Die Wahl des Schiffes ist eine Glaubensfrage. Unter alten, traditionellen Seglern sind Katamarane verpönt - die seien zu modern und könnten kentern. Aber erstens sind sie schnell, zweitens hast du im Verhältnis zur Länge unglaublich viel mehr Platz als auf anderen Schiffen. Wir haben in der Ägäis einen Katamaran liegen, aber der ist für die Hochsee nicht so geeignet. Ich habe mir gerade in Frankreich die richtigen Modelle angesehen. Die sind mindestens 15 Meter lang und kosten komplett über eine Million Mark. Da passen maximal zehn Leute drauf. Aber ich würde nur drei Freunde mitnehmen. Meine Freundin segelt zwar immer gern mit, aber über den Atlantik, das wäre nicht ihre Sache. Die würde halt in die Karibik nachfliegen.

Eine Weltumsegelung ist ein schwerer Schritt, der eine Menge mit Aussteigen zu tun hat. Danach bist du ziemlich weg vom Fenster. Du musst viel zurücklassen und alle Leute verprellen, die mit dir noch was vorhatten, etwa neue Sendungen, aber auch deine Familie und Freunde. Zum Glück wird die Technik immer besser. Du kannst mitten vom Atlantik überall anrufen und deine Erlebnisse mit anderen teilen. Das Traurigste ist ja, wenn man solche Erfahrungen niemandem mitteilen kann. Alles, was ich mache, mache ich natürlich auch für mich, aber ich habe den größten Spaß, wenn ich anderen Leuten damit Spaß mache. Wenn meine Musik anderen Leuten gefällt, finde ich das super. Wenn sie nur mir allein gefällt, finde ich das nicht so gut. In Australien war ich beim Sonnenuntergang allein beim Ayers Rock. Ich hätte gern jemandem gesagt, wie toll ich das finde, aber ich kannte niemanden. Auf meinem Schiff gäbe es auf jeden Fall ein kleines Studio. Ich würde versuchen, meine Tour mit Foto- oder Filmkameras zu dokumentieren. Ich bin ein ungeheurer Doku-Freak und guck so viel Arte wie kaum ein anderer. Ich könnte mir auch vorstellen, einem Radio alle drei Tage einen Bericht über meine Lage zu geben. Vor Langeweile habe ich keine Angst. An Bord gibt es immer was zu tun. Und wenn nicht, denkst du wahrscheinlich über Sachen nach, über die du sonst selten grübelst. Das passiert ja schon abends in einer Bucht in der Ägäis, wenn ich mit dem Fernglas in die Sterne gucke. Da fängst du echt an zu philosophieren: Da muss doch einer sein, der das Licht an- und ausmacht!

Mein Traum hat viel mit Selbsterfahrung, aber auch Abenteuer zu tun. Ich denke, dass man sich bei guter Vorbereitung einem kalkulierbaren Risiko aussetzt. Ich muss noch lernen, mit dem Sextanten umzugehen, denn die modernen Satellitensysteme könnten ausfallen, und wenn du mitten auf dem Atlantik nicht mehr weißt, wo du bist, hast du ein Problem. Natürlich gibt es auch immer wieder haarsträubende Geschichten von Piraten, die Touristen überfallen, aber diese Gefahr ist auch nicht größer als die, in Hamburg die Handtasche gestohlen zu bekommen. Und wenn Piraten auftauchen, kannst du sie vielleicht mit deiner Signalpistole abschrecken - so steht es immer wieder in Erfahrungsberichten. Mein Ziel ist es, mit 80 Jahren im Sessel zu sitzen und sagen zu können: Ich bin total zufrieden, ich habe alles gesehen, was ich sehen wollte, und habe alle meine Möglichkeiten ausgeschöpft. Und eine Weltumsegelung gehört dazu. Das sind Erfahrungen, die kein noch so exotischer Reiseveranstalter vermittelt. Wenn ich das nicht mache, wird immer das Gefühl bleiben, ich hätte was verpasst.

Ich habe nur ein großes Problem: Ich esse überhaupt keinen Fisch, ich hasse das ganze Zeug aus dem Meer. Aber auf so einer großen Tour kommt man gar nicht darum herum. Und bei tagelangen Stürmen, wenn keine Zeit zum Kochen bleibt, essen Weltumsegler die Fische auch mal roh. Da muss ich mich erst langsam herantasten.

 
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