Grossbritannien Falsches Signal
Britanniens Bahnprivatisierung ist gründlich schiefgelaufen
Gerald Corbett, der sonst so beharrliche Chef des britischen Schienenbetreibers Railtrack, wehrte sich gar nicht erst: Sein Unternehmen gibt die Zuständigkeit für die Schienensicherheit ab, voraussichtlich an die Gesundheitsbehörde. Transportminister John Prescott forderte unerbittlich: Öffentliche Sicherheit soll in Großbritannien nicht mehr dem Verdacht ausgesetzt sein, dass sie zum privaten Profitkalkül gehört.
Am Bahnhof Paddington dauern die makabren Aufräumarbeiten noch an, nachdem vergangene Woche zwei Züge frontal zusammenstießen und bis zu 40 Menschen den Tod brachten. Wahrscheinlich war das Signal nicht gut sichtbar - darüber hatten sich schon früher Fahrer beschwert. Doch bei der seit 1995 schrittweise privatisierten Eisenbahn hatte niemand das Problem behoben. Die Briten sind wütend. Die wirtschaftsfreundliche Financial Times schimpfte jetzt die Eisenbahnprivatisierung einen "grotesken Akt des ideologischen Vandalismus" und fragte: "Wie kann ein so reiches und erfinderisches Land sich mit solchen Bedingungen abfinden?" Ein am Montag dem Parlament vorgelegter Untersuchungsbericht trug allerlei "Sorgen" zusammen: über laxe Sicherheitsvorschriften bei Railtrack und die Unwilligkeit, aus Fehlern zu lernen. Die Fakten fügen sich zu einem makabren Bild: Auf dem gleichen Streckenabschnitt hatte schon im September 1997 ein Schnellzug ein rotes Signal überfahren und einen Frachtzug gerammt, sieben Menschen starben.
Entgleisungen, Notbremsungen und Unfälle passieren ständig, 1998 wurden 643-mal rote Signale überfahren, dabei entstanden 52 "gefährliche Situationen". Die Bahn ist zum Synonym für Mängel geworden - verlotterte, verspätete oder ausfallende Züge, demoralisiertes und überarbeitetes Personal. Zwar hatte die staatliche British Rail auch schon einen miserablen Ruf - doch die entfesselten Kräfte der Privatwirtschaft sollten ja eigentlich alles besser machen.
Nicht nur der mutmaßliche Geiz der Privatbahnen steht jetzt in der Kritik - auch ein Kernelement der Bahnprivatisierung, die Zersplitterung von British Rail. Damit kein riesiges Bahnmonopol entstand, wurde die alte Staatsbahn in etwa hundert Teile zerlegt, darunter der Schienen- und Bahnhofbetreiber Railtrack und 25 Zugbetreibergesellschaften. Nun lautet der Vorwurf, dass die Zuständigkeiten für Wartung und Sicherheit damit verwischt würden. Es sei eine Kultur der gegenseitigen Schuldzuweisungen entstanden.
- Datum 10.03.2009 - 09:37 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 42/1999
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Deregulierung! So wurden Voelker enteignet und ganze Politikergenerationen in Europa leben gut von den Provisionen. Es bestand niemals die Notwendigkeit, wichitige Gemeinschaftaufgaben der Gier der Privatwirtschaft zu ueberlassen. Welch ein Unfug.
Damit ein Staat wirklich funktioniert, gehoeren die folgenden Bereiche in die oeffentliche Hand: Energieversorgung, Kommunikation und Oeffentlicher Personenverkehr.
Dem Misbrauch von Volksvermoegen muss einhalt geboten werden. Es ist an der Zeit, den Rueckwaertsgang einzulegen. Erfolgreich kann das aber auch nur sein, wenn wir dem Staatsaparat einen gewaltigen Tritt in den Hintern geben.
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