PETER RÜHMKORF: Nun stellen Sie mal ein paar ausgefallene Fragen.

DIE ZEIT: Was machen Sie eigentlich den ganzen Tag?

ZEIT: Sie arbeiten den ganzen Tag?

RÜHMKORF: Arbeiten möchte ich es gar nicht nennen. Ich verfasse mich selbst und dichte die Fugen ab.

ZEIT : Seit 1966 an dieser Stelle.

RÜHMKORF: Ja, und zwar mit diesem gestaffelten und nie langweiligen Blick auf den Gehweg, die Vorgärtchen, den Strand, die Elbe, die Hafen- und Kaianlagen und schließlich die alles im Rahmen haltenden Harburger Berge.

ZEIT: Sie wollen nicht weg?

ZEIT: Aber Sie sehen den Schiffen nach.

RÜHMKORF: Hier kommt ja so allerhand vorbei. Wir haben in den Jahren hier alles miterlebt: die Segelschifffahrt, die Dampfschifffahrt, dann die neuesten Containertypen, die allerdings immer schiffsunähnlicher werden.

ZEIT: Es gibt hier vor Ihrem Fenster ja auch allerhand Menschenverkehr auf dem Weg an der Elbe. Werden die Menschen mit den Jahren auch immer menschenunähnlicher?

RÜHMKORF: Sie werden immer stromlinienförmiger, vielleicht auch zweckdienlicher, wobei die Zwecke immer schneller wechseln und die Aufregungsgegenstände sich nur so jagen. Eigenartigerweise hat sich bei mir da so eine gewisse Gelassenheit herangebildet. So eine Art von Kehrdiannix, wenn das für Sie überhaupt eine Vokabel ist.

ZEIT: Das klang vor ein paar Jahren in Ihrem Tagebuch anders. Dort hatten Sie durchaus den sympathischen Furor eines mit der Welt ringenden enragierten Jammerlappens.