Immer nur Mode

Sie sind nicht einfach Fans, sie bilden ein Netzwerk. Ihr Stil: hoffnungslos retro. Ihr Alter: Ende zwanzig, Anfang dreissig. Ihre Leidenschaft: die Musik von Depeche Mode.

Für Michael, Sven und Simone war 1984 ein verdammt wichtiges Jahr. 1984 trat etwas in ihr Leben, das sie bis heute nicht loslässt. Das länger gehalten hat als jede Jugendliebe und noch heute die gleiche Leidenschaft erregt wie damals: Depeche Mode.

1984, in Los Angeles, die Olympiade fand statt, und im Fernsehen zeigten sie als Pausenfüller die Bilder von den sportlichen Höhepunkten, dazu diese Musik, die Michael Müller, damals 16, nicht mehr aus dem Kopf bekam. People Are People, hieß das Lied, das ihm die Gänsehaut, wie er sagt, den ganzen Rücken hinuntertrieb. Er kaufte sich die Platte und wusste: Keine andere Musik würde ihm jemals so viel geben.

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Sven Plaggemeier hatte als 13-Jähriger auf einer Party den Song Everything Counts gehört und das Gefühl, dass es genau die Art von Musik war, die mich anspricht. Als er sich später das Album kaufte und diesen Song wieder hörte, war er infiziert vom Mode-Virus, wie er sagt.

1984, abends im November, Simone Wien fuhr mit ihrem Vater durch Siegen, wo sie damals wohnten. Da lief auf dem Bürgersteig ein blonder Kerl, den Simone aus der Bravo kannte. Sie drängte den Vater anzuhalten, sofort, und umzukehren. Sie stieg aus und sagte: Can I have an autograph?

Der Kerl war Martin Gore, einer der vier Jungs von Depeche Mode, einer Band, die damals, in den Achtzigern, zu den ganz Großen im Pop gehörte. Die jede Menge Hits hatte, wie Just Can't Get Enough, Master And Servant und später auch Never Let Me Down Again. Damals, 1984, war gerade ihr viertes Album Some Great Reward erschienen.

Introvertiert und ein bisschen melancholisch.

15 Jahre ist das her, Simone ist mittlerweile 31, genau wie Michael, Sven ist 29 - und sie sind immer noch Fans, mit Leib und Seele. Fans, die ihrer Band nachgereist sind, so oft es ging, manchmal 14 Konzerte in Folge, die natürlich jedes Lied kennen und die heute noch zu Depeche-Mode-Partys fahren, obwohl die Band selbst seit einem Jahr nicht mehr aufgetreten ist. Im April 1997 erschien das bislang letzte Studio-Album: Ultra. Davor hatte es vier Jahre gegeben, in denen von Depeche Mode nichts zu hören war, außer Schreckensmeldungen: Sänger Dave Gahan hatte sich eine Überdosis gespritzt und war für ein paar Minuten klinisch tot. Ob es je ein neues Album geben wird, weiß niemand so genau. Und trotzdem gibt es wohl keine andere Band, die in Deutschland so treue und immer noch aktive Fans hat. Jeden Monat finden Depeche-Mode-Partys statt, in großen Hallen mit Tausenden von Leuten. In Hamburg, Berlin, Köln und Leipzig. Auf diesen Partys treffen sich Fans, um Songs zu hören, die sie schon hundertmal gehört haben, um in Dave-Dancing-Contests zu tanzen, wie Dave Gahan es einst tat, um Depeche-Mode-Videos nachzuspielen. Es sind Menschen, die aussehen, als hätten sie die neunziger Jahre im Winterschlaf überbrückt, schwarz gekleidet, hoch frisierte Haare. Rund 6000 richtige Fans gibt es in Deutschland. Das sind nette, ruhige und introvertierte Menschen zwischen 25 und 30, sagt Anne Berning, Label-Managerin von Mute. Zu denen passt auch die leicht melancholische Musik. Die kleine Plattenfirma verkauft in Deutschland seit Jahren kontinuierlich 15 000 bis 20 000 Tonträger jeden Monat. Zum Vergleich: Die Rolling Stones verkaufen monatlich 7000 bis 11 000 Platten. Depeche Mode ist die Cash-Cow, wir könnten eine Platte in die Top 20 kriegen, ohne dass wir eine einzige Anzeige schalten müssten und ohne dass sie im Radio gespielt würde. Ein Phänomen, das sich bei der Plattenfirma niemand erklären kann.

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