»Unsicherheit bleibt auch im Alter«
Wie wird man als Star in Würde alt? Hildegard Knef, 73, macht es vor. Die Fragen stellte Esther Schweins, 29
Frau Knef, ich muss Ihnen ein Geständnis machen: Mein Vater ist noch immer in Sie verliebt. Der findet Sie ein ganz klasse Mädchen.
Wenn er so denkt, dann ist er natürlich ein ganz klasse Mann. Sagen Sie ihm das.
Der fehlte mir gerade noch bei all dem Stress, den ich wegen meiner neuen CD habe. Ich habe daran ein ganzes Jahr gearbeitet. Und jetzt heißt das Termine, Interviews, Fotoshootings. Schauen Sie sich zum Beispiel diese Fotos auf dem Tisch an. Das sind schreckliche Fotos. Drehen Sie die bitte um. Ich habe da diesen milden Blick, den man eigentlich nur Leuten zutraut, die häkeln. Ich weiß nicht, was sich der Fotograf dabei gedacht hat. Gar nichts, wahrscheinlich.
Sind Sie eitel, Frau Knef?
Natürlich gibt es Momente der Eitelkeit, wo man sagt: Für die Aufnahme sehe ich heute nicht toll aus. Das gehört aber zum Beruf, das ist gewissermaßen eine professionelle Eitelkeit. Aber ich habe Schönheit nie empfunden oder nur sehr selten. Manchmal im Spiegel eines anderen Menschen, der es mir gesagt hat. Dann guckte ich aber immer sehr ungläubig.
Auch schöne Frauen haben Selbstzweifel?
O ja. Ich habe eine äußerst verhängnisvolle Be-ziehung zum Spiegel. Ich schaue da gar nicht gerne rein, früher nicht und heute nicht. Das hat alles mit meiner Kindheit zu tun.
- Datum 28.10.1999 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 1999
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