Advokaten für PrimatenSeite 2/2
Es verwundert nicht, dass Wise und seine Kollegen auf Widerstand stoßen. Der in Washington praktizierende Anwalt William P. Horn, der regelmäßig Jagd- und Anglerverbände vor Gericht vertritt, argwöhnt, die Tierrechtsaktivisten würden bei Primaten nicht Halt machen: "Warum sollten wir die neuen Affenrechte nicht auf Hunde, Füchse und Vögel ausweiten?" Und tatsächlich geben engagierte Tierschützer offen zu, dass sie es nur für den ersten Schritt halten, großen Menschenaffen besondere Rechte einzuräumen.
Angesichts solcher Aussichten platzt dem an der University of Chicago lehrenden Juraprofessor Richard Epstein der Kragen: "Wenn wir Tiere moralisch als unseresgleichen betrachten, untergraben wir die Würde der Menschen. Die Mordkampagnen Hitlers, Stalins oder Pol Pots erscheinen in diesem Licht nicht schlimmer als die alltägliche Zurichtung von Rindern für den Viehmarkt."
Wie der Streit um den Rang der Tiere in der Schöpfung ausgehen wird, bleibt vorerst offen. Denn wie in den meisten angelsächsischen Ländern gilt in den Staaten das common law , eine komplizierte Mixtur von Gewohnheitsrecht, richterlichen Urteilen und Gesetzen. Dem einzelnen Richter lässt das viel Freiheit. So könnte er durchaus eine zivilrechtliche Klage zulassen, selbst dann, wenn ihre Grundlage juristisch nicht völlig geklärt sein sollte. Wise und seine Mitstreiter dürfen also auf einen gutwilligen Robenträger hoffen, dem ihr Anspruch nicht aus der Luft gegriffen scheint. In Deutschland dagegen, wo nach der Tradition des römischen Rechts geurteilt wird, müsste ein Richter die Klage abweisen, da er an geltendes Gesetz gebunden ist.
Doch auch die Amerikaner zögern noch. "Ich rate jedem Juristen ab, der jetzt schon einen solchen Prozess führen will", sagt Wise. "An den ersten Urteilen wird sich die künftige Rechtsprechung orientieren. Da könnte der erste Schuss leicht nach hinten losgehen." Für den großen Great Ape Case braucht es den richtigen Richter. Und deshalb lehrt Wise unermüdlich landauf, landab an juristischen Fakultäten. Wo künftige Richter heute noch die Schulbank drücken, lässt sich die Rechtsprechung von morgen am ehesten beeinflussen. Und dann können sie kommen, die haarigen Kläger.
- Datum 11.11.1999 - 13:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 1999
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