Im Zoo von Wellington geht alles seinen gewohnten Gang. Souverän herrscht im Affenhaus die Schimpansin Bebe über ihren 15-köpfigen Clan. Geduldig erträgt sie die übermütigen Spiele der Jungaffen und die Intrigen der Älteren. Aff' schlägt sich, Aff' verträgt sich. Und die Zoobesucher haben ihren Spaß daran.

Doch so mancher Zweibeiner wird das Affentheater seit kurzem mit recht gemischten Gefühlen betrachten. Denn die Schimpansen in der neuseeländischen Hauptstadt sind dem Homo sapiens im Oktober einen kleinen, aber entscheidenden Schritt näher gerückt: Erstmals wurde den Menschenaffen in einer nationalen Gesetzgebung ein Recht zuerkannt, das sie vom übrigen Tierreich trennt.

In einem speziellen Passus verspricht das neuseeländische Tierfürsorgegesetz neuerdings allen "nicht humanen Hominiden" besonderen Schutz. Schimpansen, Gorillas, Orang-Utans und Bonobos (Zwergschimpansen) dürfen in Zukunft nur noch dann in Experimenten eingesetzt werden, wenn die Ergebnisse den Affen selbst oder ihrer Spezies zugute kommen. Tierversuche zum Nutzen des Menschen sind dagegen verboten. Damit würden erstmals die "erhöhten kognitiven und emotionalen Fähigkeiten der Menschenaffen" anerkannt, preist Landwirtschaftsminister John Luxton die Gesetzesänderung und spricht vom "Beginn einer neuen Ära". In der Tat: Der artübergreifende Schulterschluss zwischen Mensch und Menschenaffe, Traumziel aller Tierrechtler, scheint damit in erreichbare Nähe zu rücken.

"Erstmals durchbricht ein Gesetz die Artengrenze"

Begeisterung herrscht vor allem bei den Aktivisten des Great Ape Project (Gap), die seit Jahren "Menschenrechte für die Großen Menschenaffen" fordern.

Zu Gap gehören etwa die Schimpansenforscherin Jane Goodall, der britische Evolutionsbiologe Richard Dawkins und der umstrittene australische Philosoph Peter Singer, der im neuesten Gap-newsletter schreibt: "Dies ist, wie wir glauben, die erste nationale Gesetzgebung auf der Welt, die die Artengrenze durchbricht." Dabei geht es um weit mehr als nur simplen Tierschutz. Sollte das neuseeländische Beispiel Schule machen - wie 1893, als der Inselstaat erstmals Frauen das Wahlrecht zuerkannte -, hätte das drastische Folgen für das Selbstverständnis des Homo sapiens. Die Debatte um den Schutz leidender Kreaturen erreichte damit eine prinzipiell neue Dimension.

Tierschützer haben in den vergangenen Jahrzehnten vieles erreicht. Weltweit, vor allem aber in Europa, erließen die Gesetzgeber strenge Regelungen. Die Zahl der in Versuchen eingesetzten Tiere hat sich stetig verringert - in Deutschland zwischen 1991 und 1997 von 2,4 auf etwa 1,5 Millionen. Die Mitglieder der Europäischen Union unterzeichneten vor zwei Jahren den Vertrag von Amsterdam, in dem sie sich verpflichten, "Tiere als fühlende Wesen" zu behandeln. Und im vergangenen Sommer entschied das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, die Haltung von Hennen in Legebatterien verstoße gegen das Tierschutzgesetz.