Das Klavier singt dochSeite 8/8

ZEIT: Als Chet Baker 1988 in Amsterdam starb, war er im Hotel mit der Adresse Oklahoma City eingetragen. Er war zwar dort geboren, lebte aber nie dort. Gibt es in Ihrem Leben eine ähnliche home address?

JARRETT: Hier im Nordosten, in New Jersey fühle ich mich zu Hause. Nicht im nahen Allentown, meiner Geburtsstadt, nicht im Nachbarort. Es ist die Landschaft. Aber es steckt noch mehr dahinter. Menschen, die dem Pfad folgen, auf dem ich mich befinde, sind dazu angehalten, sich ihrer selbst zu erinnern, der Essenz. Hinter den Verstand, den Gefühlen und Empfindungen jenen Platz zu finden und dort zu verweilen, während man seinen ganz normalen Alltag lebt. Es ist eine Art Meditation, die nur wenige mehr als zwei Sekunden schaffen. Aber selbst wenn es nur eine Sekunde gelingt - dort ist die wahre Heimat.

ZEIT: Das klingt wieder sehr spirituell.

JARRETT: Wahrscheinlich untermauert dies wieder mein gottähnliches Image. Ich glaube, ich schüchtere die Leute ein. Zuerst denken sie, es sei sehr schwierig, mit mir zu sprechen. Dann merken sie, dass das nicht stimmt. Dann glauben sie, ich hätte irgendwelche Geheimnisse, die ich nicht preisgeben möchte. Dabei habe ich nichts preiszugeben - außer meiner Musik.

 
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